Komm, ich schenke dir was

„Hast du es denn gelesen?“, fragte mich mein großer Junge. In den Händen hielt er die ersten drei Bände der „Chroniken von Narnia“, die ihm sein Opa zum Geburtstag geschenkt hatte. „Ähm nein. Aber ich vermute da eine große Bildungslücke bei mir, denn sie sollen ja wirklich toll sein“. Eine Woche später stand der Knabe wieder vor mir, das Buch in den Händen, „aller-spätestens-Licht-aus-Zeit“ so was von vorbei, und meinte zögernd: „Willst du es denn mal lesen? Ich würde es dir leihen…?!“

Was?! Mein erster Impuls wäre ehrlicherweise ein herzliches „Nein, danke!“ gewesen. Nicht, dass ich diese Bücher nicht wirklich schon immer mal lesen wollte. Nicht, dass Kinder, die zu nachtschlafender Zeit unbedingt noch ein Buch auslesen müssen, nicht mein vollstes Verständnis hätten. Aber: du liebe Güte, weiß dieses Kind eigentlich, wie voll der Kalender gerade ist?!! Ich habe gar keine Zeit für solch einen Müßiggang. Stattdessen hänge ich den übervollen Listen gnadenlos hinterher. Hake ich einen Punkt auf der endlosen Liste als erledigt ab, dann tauchen wie durch Zauberei drei neue auf. Kleiderschränke wollen gemistete werden, ständig wachsen diese Kinder aus ihren Klamotten raus, der Garten, der Keller, irgendwelche Klassenarbeiten, Fahrradprüfung, Termine, dreiundfünfzig verschiedene „ich müsste dringend“ und und und… ich schlafe abens um zehn fast im Stehen ein und sollte jetzt noch ein Buch lesen…nein wirklich, beim besten Willen, es geht eigentlich gerade überhaupt gar nicht…oder doch? Ich sah in die erwartungsvollen Augen meines Buben, der so gefesselt war, von Narnia und der ganzen großen Geschichte drumherum, und der dieses Abenteuer mit mir teilen wollte. Es ist gar nicht so einfach, gemeinsame Vorlieben mit einem Elfjährigen zu teilen, gemeinsam gefesselt zu sein und fasziniert von einer Sache, nicht, wenn Lego Superheros nicht so dein Ding sind. Wollte ich meinem Kind, dessen Zeitplan ähnlich eng bestückt ist, wie meiner, nur noch über Lateinvokabeln und Nawi- Hausaufgaben begegnen? Nein, natürlich nicht.

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„Klar, aber gerne doch!“, seufzte ich, und nahm das Buch entgegen. Und fing an zu lesen. Und war gefesselt. Von den ersten Zeilen an. Nein, eigentlich habe ich keine Zeit. Deswegen steckt das Buch in meiner Handtasche. Und wann immer ich kurze Wartezeiten zu überbrücken habe, dann lese ich. Im Auto, vor dem Kindergarten, während ich Tomatensoße rühre und während die Kleinen Musikgarten haben. Und täglich tauschen wir uns aus, über die fiese Königin, Aslan und die ganze verrückte Welt. Vielleicht ist dieses Geschenk meiner Zeit und meiner Aufmerksamkeit mehr wert, als alles, was ich im Laden kaufen und bei Amazon bestellen könnte. Und dieses Geschenk, dass  ich nur so widerwillig rausrückte, wurde mir längst um ein vielfaches zurück geschenkt. In den Gesprächen mit einem Elfjährigen, während wir am Abend die Spülmaschine einräumen oder ich ihm Gesellschaft leiste, bei seinen späten Mittagessen. In seinen Augen, in seiner Stimme, die jedes Detail zur Sprache bringt und die vor Begeisterung schwingt.. Und ich darf es teilen, das nimmt mir keiner! In dieser Geschichte, die mein Herz erfreut und in deren Sprache ich mich verliere. Immerhin- ich schließe eine Bildungslücke.

Immer und immer wieder darf ich diese Erfahrung machen. Ich schenke meinen Kopf als lebenden Frisierkopf her für mein Mädchen, und sie kommt ins Plaudern und Erzählen, während ich unter dem ziependen Kamm die Zähne zusammenbeiße. Ich lese Fußballbücher vor, die mich wirklich nicht die Bohne interessieren, und bin plötzlich einem Zweitklässler ganz nahe.  Samstagsmorgens um sechs, wenn fast alle anderen noch schlafen, jaaa -das ist unsere Stunde! Ich gehe Woche für Woche ins Mutter-Kind -Turnen, obwohl ich wenig mehr verabscheue, als stickige Turnhallen und miefige Umkleiden. Meine Kleinen aber lieben es. Und so rennen wir Woche für Woche als Hüpferdechen durch die Halle, die erfüllt ist mit lärmenden Kindergeschrei. Ich verschenke mich, meine Zeit und mein Herz. Es kostete mich Überwindung, immer wieder. So vieles wäre wichtiger, so vieles dringlicher und der Ordnung zuträglicher.

Aber was willst du mit der schönsten Ordnung, wenn du die Möglichkeit hast, so reich beschenkt zu werden?! So reich, dass sich die Balken in der Schatzkammer deines Herzens biegen? Siehst du?

Und so verschenke ich munter weiter und werde reicher und reicher. Also wenn du mich irgendwo siehst, an der Supermarktkasse oder an der Tanksäule, mit einem schiefen Zopf und einem Kinderbuch in der Hand…dann weißt du Bescheid. Dann hast du eine wirklich reiche Frau getroffen. Ich wünsche dir von Herzen einen ebensolchen Reichtum. Sei reich, dass die Balken deines Herzens sich biegen!

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Sei gnädig

Seitdem mich nach der Rückkehr aus dem Urlaub der Rücken so plagte, bin ich um Versöhnung mit der angeschlagenen Kehrseite bemüht. Ich habe meine Beteiligung an dem Zerwürfnis eingeräumt, wir nähern uns langsam wieder an, das Verhältnis scheint nicht dauerhaft gestört. Eine Maßnahme im Versöhnungsprozess waren einige Stunden Physiotherapie, die man dem Hausarzt aus den Rippen leiern musste, als wolle man persönliche Goldvorräte plündern. Ungefähr gleichzeitig meldete ich mich bei einem lebe-leichter -online-coaching an. Ein wichtiger Bestandteil der recht einfach zu begreifenden Strategie: 30 Minuten Bewegung am Tag (ich glaube, sie meinen nicht Spülmaschine ausräumen, staubsaugen o.Ä.). „Siehste“ hörte ich den beleidigten Rücken ächzen, „ich sag es dir die ganze Zeit!“

Na da traf es sich doch gut, dass ich  in der Therapiepraxis meines Vertrauens ein neues e-gym Studio entdeckte. Modernste Geräte unter physiotherapeutischer Aufsicht, auf direktem Wege zwischen Schule und Kindergarten, zeitlich flexibel, Ausreden waren keine mehr auffindbar. Am Anfang der neuen Sportlichkeit stand eine „Kraftmessung“, damit sich die Geräte auf den jeweiligen Trainingszustand einstellen können. Unter Aufsicht natürlich. Während meine Kräfte vermessen wurden, trainierten andere schon fleißig vor sich hin, darunter eine entfernte Bekannte, die aber wirklich äußerst sympathisch ist. Ihre Anwesenheit interpretierte ich mal als gutes Zeichen. Das Ergebnis  der Kraftmessung interpretierte ich als ernüchternd. Wobei Teile von mir anscheinend echt stark sind. Die Kraft in meinen Armen ist super (Ha! Zwillinge schleppen zahlt sich aus!). Auch meine Beine sind durchaus belastbar. Alles was dazwischen liegt, scheint ein Vakuum zu bilden und die Bauchmuskeln haben wohl gekündigt. Ich überlegte, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass man sie mir beim Kaiserschnitt versehentlich mit rausgeschnitten hat, behielt die gewagte Theorie aber lieber für mich. Stattdessen schämte ich mich gründlich und dachte irgendwann laut:  „Ach, man muss gnädig sein, mit dem armen Bauch“. Die entfernte Bekannte stimmte mir aus vollem Herzen zu. Und wies daraufhin, wieviele Kinder in diesen Bäuchen wachsen durften. Und wie oft man es ihnen mit schlechtem Essen und mangelnder Bewegung gedankt hat. Man muss gnädig sein, mit dem armen Bauch. Ich ging nach Hause und nahm zweierlei mit.

Erstens: ich wünschte, es gäbe im Alltag so etwas wie eine Kräftemessung von Zeit zu Zeit. Und dann würden sich die hundertdreiundzwanzigtausend Alltagsgewichte auf den momentanen Kraftzustand einstellen und damit stemmbar bleiben. Gibt es so natürlich nicht. Also musst du selbst hin und wieder schauen, ob du noch alles gestemmt bekommst, oder ob du besser das ein oder andere Gewicht herausnimmst, bevor du dich  komplett verausgabst.image

Zweitens: Sei gnädig. Mit deinem Bauch, deinem Rücken, den Armen und den Beinen, deinem ganzen Körper. Er trägt dich durchs Leben, er hat deine Kinder geboren, sie behütet und getragen. Er schleppt die Einkäufe und manche Seelenlast. Er ist deine Wohnung hier auf Erden, hat manchem Sturm standgehalten und schon viel verziehen. Verzeih du ihm die ein oder andere Delle, Beule und Macke. Sei gnädig und kränke ihn nicht mit Scham und Selbstzweifeln.

Sei gnädig mit dir, wenn die Kraft mal nicht ausreicht und dir alles zuviel wird. Sei gnädig, wenn du immer wieder an deine eigenen  Grenzen stößt. Sei gnädig mit deinen Kindern und deinem Mann, mit Socken, die nicht zueinanderpassen, verpatzten Klassenarbeiten und verpassten Gelegenheiten, den tausend kleinen Schritten, wenn du doch viel lieber sprinten willst.

Gnädig sein heißt ja nicht, ignorant zu sein und komplett auf Durchzug  zu stellen. Es ist auch nicht zu verwechseln mit: „jetzt ist eh egal, was soll’s!“ Es ist wohl vielmehr der Schritt weg von vernichtenden Urteilen und Abstrafen hin zum wohlwollenden Wahrnehmen und Sorgen. Es entbindet nicht von der Verantwortung, selbst tätig zu werden und wieder und wieder neu anzufangen. Aber es ist der freundliche, liebevolle Blick, nicht der garstige mit Zornesfalte.

Mein Körper steht der neuen Gnade, die ihm da zuteil wird, noch skeptisch gegenüber. Anstatt Dankbarkeit für das gesunde Essen und all die Bewegung in Form von überbordender Energie und kraftstrotzendem Eifer zu zeigen, nölt er seit Wochen grippig rum, hat mich der Stimme beraubt und stellt sich einfach quer. Ich will mal nicht so sein und übe mich weiter….

…und ist der Regenbogen nicht wunderbar? Seit alters her das sichtbare Zeichen, dass der Eine immer gnädig mit uns ist.

Feste feiern

Uups! Hast du es gemerkt? Ich habe eine Woche geschwänzt! Das ist mir in dem guten Jahr mit meinem kleinen Eckchen hier tatsächlich noch nie passiert. Als ich letzte Woche meinen Kalender aufschlug, staunte ich kurz:“ Ach, schau an!“ Und dann bekam ich Schnappatmung und hektische Flecken. Die Seite für diese Woche war so voll geschrieben, dass ich teilweise Schwierigkeiten hatte, die einzelnen Termine noch zu entziffern. Da gab es Elternabende (mehrere), Entwicklungsgespräche und Krankengymnastik, Festvorbereitungen und Geburtstage, Friseurtermine (auch mehrere, leider war keiner für mich dabei) und eine ganze endlose Liste an Kleinigkeiten, die irgendwie erledigt werden wollte, so etwas wie: „Ich brauche neue Sportschuhe. Morgen. Sonst kann ich nicht mitmachen und es gibt Ärger.“ Ich musste etwas streichen- und leider war es mein Eintrag hier. Elternabende lassen sich ja schlecht verschieben und bei Geburtstagen ist es auch eher ungünstig, vor allem, wenn es nicht der eigene ist.

Als der Gatte und ich ganz frisch verheiratet waren, da habe ich ihm in meinem verliebten Überschwang das größte Geburtstagsgeschenk gemacht, das man einem Mann meiner Meinung nach machen kann. Seither ist mir zumindest nichts Vergleichbares gelungen, ich bin eigentlich raus aus dem Schneider für den Rest unseres Lebens. Ich schenkte ihm pünktlich zum Geburtstag unseren ersten Sohn! Als bitte, so ein Geschenk muss man erst mal toppen! Nun teilen sich die beiden seit elf Jahren den selben Geburtstag, was eigentlich ganz praktisch ist. Wir haben die Anzahl der Geburtstage in unserer Großfamilie ordentlich minimiert. Zwei Doppelgeburtstage, besser geht es nicht. Der Nachteil an der Geschichte ist, dass der Gatte in den vergangenen zehn Jahre seinen Geburtstag mit Topfschlagen, Schnitzeljagten und Schatzsuchen verbrachte.  Und relativ häufig hörte: ach stimmt, du hast ja auch… Er trägt das jedes Jahr mit viel Langmut und Humor. Dieses Jahr aber wurde der beste Gatte von allen vierzig. Und so etwas will gefeiert werden. Damit der nun Elfjährige auch ordentlich Geburtstag haben konnte, haben wir gleich zwei Tage gefeiert. Und werden noch einen Kindergeburtstag hinten dran hängen. Wenn man schon am Feiern ist, kann man auch gleich weiter machen.P1050320

Und so feierten wir mit Torte und mit Streuselkuchen, mit großem Buffet, mit Freunden, Kollegen und etwa 25 Kindern. Es gab Geschenke und Lagerfeuer und Marshmallows, so, wie wir es mögen. Ich feiere so gerne diese beiden Menschen, für die ich unendlich dankbar bin und den Tag, an dem aus mir eine Mama wurde. Und wenn du selber Mama bist, dann weißt du- da bleibt in dir erst mal kein Stein auf dem anderen. Alles fügt sich neu zusammen, wegen dieses kleinen Bündels Mensch, im Grunde wirst auch du neugeboren. Also vergiss nicht dich zu feiern, wenn das nächste Mal ein Kindergeburtstag ansteht!

Ich feiere gleich weiter, wenn auch ohne Torte und Streuselkuchen (ich backe so furchtbar ungern und es verträgt sich auch schlecht mit gesunden Essensplänen…). Aber ich feiere die Freundschaft, die vielleicht ein fast ebenso großes Geschenk ist, wie die Familie- und manchmal kann man es gar nicht so genau auseinanderhalten…zwanzig Jahre darf ich diese beiden tollen Frauen zum Beispiel schon kennen. Damals tranken wir unseren Kaffee zu dritt, heute haben wir gemeinsam elf Kinder! Und wir kennen uns immer noch, wenn das kein Grund zum Feiern ist.P1050339

Ich feiere den Beginn meiner liebsten Jahreszeit, den blauen Himmel, die klare kühle Luft, das Laub auf der Straße und die Lust auf Tee. Die erste Kürbissuppe und Sonnenblumen in meiner Vase, das Brummen der ersten Vollernter und den Geruch von Maische in den Straßen unserer kleinen Stadt.

Und ich feiere, dass die Seiten in meinem Kalender wieder leerer werden, so in zwei bis fünf Wochen. Ich werde auch nicht mehr schwänzen, versprochen! Bis dahin, mach es gut und feiere das Leben!

Die Schönheit von Kühen

„Mama, was ist ein Eunuch?“

Jetzt mal ehrlich, es geht doch nichts über eine gepflegte Tischkultur mit Gesprächen, die tiefgründig, unterhaltsam und horizonterweiternd sind. Selbstverständlich führen wir nur solche Gespräche während der Mahlzeiten und es ufert nie aus. Wir sind ja keine Barbaren.

„Mama, was ist ein Eunuch?“ Die kluge Mutter beantwortet jede Frage der wissbegierigen Nachkommen umgehend, auch wenn ihr für eine Sekunde das Knäckebrot im Hals stecken bleibt. Die kluge Mutter hat in diesem Falle nicht bedacht, dass eine Frage manchmal andere nach sich zieht. Ehe sie sich versieht, landet die Tischgesellschaft von den Eunuchen beim Stimmbruch. Ist ja auch naheliegend. Ich erkläre auch dieses Phänomen geduldig und schneide gleichzeitig ein paar Fleischwurstscheibchen für die lieben Kleinen, die ja auch mit. Nie ist der Gatte da, wenn es um Eunuchen und Stimmbruch geht.

Während ich noch hoffe, dass wir diese Themen jetzt abgehakt und zu etwas Erfreulicherem übergehen könnten, kringelt sich eine Neunjährige vor Lachen auf ihrem Stuhl. Sie findet die Aussicht auf Brüder im Stimmbruch zum Brüllen komisch. „Wie gut,“ quiekt sie, „wie gut, dass ich ein Mädchen bin! Wir brauchen so einen Mist nicht!“ Oha, Achtung! Aus einer nur leicht zweifelhaften Gesprächsgrundlage wird binnen Sekunden ein hochexplosives Minenfeld.

Und da kommt auch schon der verbale Gegenangriff. „Ha, Stimmbruch vielleicht nicht, dafür bekommst du baumelnde Brüste und breite Hüften!“ Grundgütiger. Schon kullern aus eben noch lachenden Augen dicke Krokodilstränen. Treffer versenkt. „Ich will so aber nicht aussehen. Das sieht dann komisch aus!“ Ich versuche zu beschwichtigen, verlange nach so etwas unverfänglichem wie Frischkäse. “ Bekommen außerdem nicht alle! Nena,“ fällt der ins Mark Getroffenen ein, „Nena hat keinen Busen und keine Hüften. und die ist schon voll alt! „Nena?! Wieso denn jetzt Nena!?  „Es ist rein gar nichts auszusetzen an Busen und Hüften,“ breche ich eine Lanze für alle Vollbusigen und Breithüftigen, zu denen ich mich durchaus zählen darf.

„Außerdem ist Nena Frutarierin. Willst du wirklich dein Leben lang nur noch Obst essen?“ Zweifelnd starrt meine Tochter auf die Brezel in ihrer Hand, als hätte sie nur die Wahl zwischen „baumelndem Busen“ und Ananas. Frutarierin scheint keine ernsthafte Option zu sein. Uns fallen Frauen ein, die über weibliche Attribute verfügen, und die sie sehr wohl schön findet. „Aber ich werde nie aussehen, wie Anette Louisan!“, heult sie weiter. „Die hat lange blonde Haare!“ „Natürlich wirst du nicht aussehen, wie Anette Louisan. Weil nur Anette Louisan aussieht wie Anette Louisan! Du siehst aus wie du! Jetzt und als Erwachsene. Und du bist, so wie du bist, wunderschön geschaffen!“ Boah, ich bin schon ganz außer Atem. Ich frage mich, warum meine Tochter schon so etwas wie ein Schönheitsideal im Kopf hat. Woher? Warum? Jetzt steht aber doch hoffentlich so etwas wie ein Themenwechsel an?! Oh nein, erst muss noch nachgeladen werden. „Dafür bekommst du später dann eine Glatze!“, feuert sie auf die andere Seite des Tisches. „Krieg ich nicht, ich habe Mamas Haare geerbt. Die Glatze bekommt er“, wehrt  der Knabe lässig ab und nickt zu seinem kleinen Bruder rüber. „Er hat Papas Haare!“ Empörtes Wutgeheul erfüllt in kürzester Zeit den Raum. „Es reicht!!!, brülle ich, pädagogisch versiert, wie immer. „Schluss jetzt!“. „Können wir jetzt mal was Schönes reden? Über Urlaub?“, maunzt mein kleines Mädchen von der Seite.image

Mein Zweitklässler hat schon seit er „Muh!“ sagen konnte eine seltsame Vorliebe für Kühe. Er liebt Kühe und der schönste Ort auf Erden ist für ihn der Kuhstall.  In kürzester Zeit kann er die eine, von der anderen unterscheiden. Für mich sehen Kühe aus, naja, wie Kühe halt. Leider haben wir keinen Kuhstall, noch nicht mal in der Umgebung. In kuhlosen Zeiten greift das Kind auf Schleichkühe zurück. Er besitzt Unmengen davon und er wünscht sich immer noch mehr. Auch da sehe ich nur einen Haufen Kühe, aber er weiß, von jeder Einzelnen, woher er sie hat. Was das besondere an ihr ist. Welches Kälbchen zu ihr gehört. Stundenlang kann er sich mit seiner Herde beschäftigen. Daran musste ich denken, während ich das Tischgespräch ein paar Tage lang verdaute und darüber nachsann, was ich meinen Kindern in Fragen des Aussehens, von Schönheit und körperlichen Veränderungen eigentlich mitgeben will. Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Wo andere nur eine Herde Kühe sehen, sieht mein Junge das Besondere in jeder Einzelnen. Wir sind auch nicht einfach nur eine Herde Menschen. Wir sind, jeder für sich, wunderbar geschaffen, eine unfassbare Vielfalt. So ein Geschenk. Und so unterschiedlich wir sind, so unterschiedlich sind auch unsere Vorlieben. Gäbe es nur die Großen, Dünnen oder nur kleine Runde, dass wäre doch sehr traurig. Nur Blondinen oder nur Brünette. Farblos. Viele Haare, wenig Haare, Runzeln oder Pfrsichhaut. Diese Vielfalt, der schiere Wahnsinn. Und für jeden ist etwas dabei. Das möchte ich meinen Kindern mitgeben, dass es kein Idealbild gibt. Alles Unikate. Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Und wenn sie sich selbst betrachten, dann sollen sie sich mit Wohlwollen ansehen und nicht mit Verachtung. Das wünsche ich mir. Mir wird bewusst, wie heikel dieser Themenbereich für Heranwachsende ist. Und dass ich einmal mehr Vorbild sein sollte, im wohlwollenden Betrachten, im liebevollen Umgang mit mir selber.  Um das für mich ein bisschen besser zu lernen, habe ich ein lebe-leichter.com– online Coaching begonnen. Irgendwann werde ich mal schreiben, wie es mir damit ergeht. Bis dahin arbeite ich an unserer Tischkultur. Und an der Akzeptanz von altersbedingtem Haarausfall.

 

Blockiert und behütet

Suchende Hände schieben sich sanft unter meinen Rücken. Sie fühlen und tasten vorsichtig, spüren auf, wo es klemmt und hakt. Stille im Raum und in mir. Die geplagte Rückseite entspannt sich merklich in diesen kundigen Händen der Ostheopatin, die kein schnelles Wunder versprechen, aber nach Ursachen suchen und Blockaden erspüren und lösen. Von Haus aus bin ich ja eine Freundin der schnellen Lösungen. Problem erkannt, Problem gebannt, das große Gezackere ist nicht so meines und Geduld schon gleich dreimal nicht. Nun schaue ich mein mondgesichtiges Kortisonkonterfei im Spiegel an und lerne wieder mal: die schnelle Lösung nützt manchmal wenig. Den Schmerz, die Auswirkungen bekommst du weg, die eigentliche Ursache, das, was hakt und blockiert eben nicht.

Wie passend, dass ich mir das gerade jetzt wieder bewusst machen darf, wo das Jahr nach neuen Schulbüchern und unbenutzten Heftseiten riecht. Noch sind alle Stifte frisch gespitzt, keine Eselsohren stören das Auge, die guten Vorsätze sind frisch erholt und blank poliert. Ich gebe uns keine zwei Wochen, dann hat uns der Alltag wieder fest im Griff- inklusive Eselsohren, Hausaufgabenfrust, persönlichen Grenzerfahrungen und verschlampten Buntstiften. Das normale Leben eben. Und immer wieder wird es haken. Und blockieren. Ich lasse meine Kinder zurück in ihr Alltagsleben ziehen und hoffe, dass es mir immer wieder gelingen möge, hinzuhören, still zu werden, Ursachen zu suchen und Blockaden zu lösen, langsam und ohne zu überdrehen. Man ist ja lieber „heilende Hand“ als „fiese Kortisontablette“ im Leben der eigenen Kinder. Und weil ich das alleine sowieso nicht schaffe, flüstert mein Herz:“Guter Gott, behüte sie!“

Mit Schaudern denke ich an jenen heißen Vormittag in den Sommerferien  zurück, an dem ich es für eine gute Idee hielt, mit fünf Kindern alleine ins Freibad zu gehen. Meine Kinder sind ausgesprochen zuverlässig und vernünftig, wir hatten genau besprochen, wer sich mit wem wo aufhalten darf. Ich ging drei Stunden durch die Hölle. Angespannt wie ein Flitzebogen versuchte ich alle gleichzeitig im Blick zu haben, besonders natürlich meine Zwillinge, ausgestattet mit Schwimmärmelchen und einem Gummireifen um den Bauch. Mit Argusaugen verfolgte ich die lieben Kleinen, um sie vor dem Verlorengehen und Ertrinken zu bewahren und war mehr als erleichtert, als ich nach drei Stunden wieder zusammenpacken durfte. Alles war schon zusammengeräumt, meine Großen wollten mir ein letztes Mal zeigen, wie sie vom Dreier springen können und wir begleiteten sie zum Springerbecken. Glatte, tiefblaue Wasserfläche und ein roter Wasserball. Der Ball rollte und hüpfte, bis er inmitten des tiefen Beckens landete. Und ehe ich mich versah, rannte mein kleiner Junge los, nur noch diesen Ball im Blick, nahm Anlauf, sprang und- ging unter wie ein Stein. Keine zwei Sekunden später war sein großer Bruder runtergetaucht und drückte den hilflosen Zwerg nach oben, wo ich ihn wieder aus dem Wasser fischte. Bedröppelt fuhren wir nach Hause, der kleine Mann war von seinem Wassererlebnis nachhaltig geschockt. Und ich dachte: „Siehst du lieber Gott, du musst mir helfen. Alleine schaffe ich das nicht, so sehr ich es auch versuche!“

Kaum eine Woche später hinderte das Erlebte den Knaben nicht daran, seine Zwillingsschwester in den toskanischen Urlaubspool zu stoßen. Auf der tiefen Seite. Wahrscheinlich wollte er seine Erfahrungen mit ihr teilen. Diesmal sprangen gleich drei Geschwister hinterher. Vielleicht ist das ja Gottes Antwort auf meine Gebete: ein Haufen Kinder, die sich gegenseitig retten, wenn ich gerade nicht hinschaue! Aber so sehen meine Feinde aus: tiefblaue Pools und Riesenrutschen. Hohe Mauern und Busfahrer mit Handy am Ohr. Unbeleuchtete Fahrradwege und vielbefahrene Straßen. Unfreundliche Menschen und städtische Bahnhöfe. Doch: genauso wenig wie ich eine Kortisontablette im Leben meiner Kinder sein will, so möchte ich auch selber nicht zur Blockade werden, nur weil ich überall Gefahren lauern sehe. Meine Ängste dürfen nicht ihre werden. Voll Vertrauen und mutig sollen sie durchs Leben gehen. Sehe ich sie in schwindelerregender Höhe herumklettern, dann ruft mein Mund: „Sehr gut! Vergiss nicht, dich festzuhalten!“ und mein Herz flüstert: „Behüte sie!“. Fahren sie los, mit Rad, Bus und Bahn, dann winke ich fröhlich hinterher und wünsche „Gute Fahrt!“. Mein Inneres aber ruft: „Sei bei ihnen, bitte!“ Machen wir uns nichts vor: Gebete sind keine magischen Zauberformeln, die uns und unsere Lieben vor allem Bösen bewahren. So funktioniert die Welt nicht. Aber ich will darauf vertrauen, dass Gott uns zur Seite steht und nur das Beste will, für mich , für dich, für unsere Kinder.

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Wo auch immer du jetzt bist. In den Ferien, oder auch am Beginn eines neuen Schuljahres, an einem Neuanfang, oder gerade Mittendrin, blockiert, oder richtig schön im Fluss: Sei behütet!

Mitbringsel

Uups, sind denn die drei Wochen schon um?! Ach, über vier sogar schon?! Echt jetzt? Kaum zu glauben. Tatsächlich sind wir nun schon fast seit einer Woche wieder aus dem Urlaub zurück, aber wir sind noch so sehr damit beschäftigt, das Gepäck und die diversen Mitbringsel in die Regale und Schränke unseres Hauses und unserer Herzen zu verarbeiten und zu verräumen – es dauert eben alles ein wenig länger.

Ein wenig erfreuliches Mitbringsel war beispielsweise die wirklich fiese Ohrenentzündung unseres Großen, die ihm nicht nur die letzten zwei Urlaubstage und die Rückreise vergällten, sondern uns am Montag als erste Amtshandlung in Deutschland zum Ohrenarzt führte. Mittlerweile geht der Mund wieder auf und zu, das Kind ist schmerzfrei und zelebriert die letzten Ferientage.

Am Dienstagmorgen wollte ich, ordnungsliebend wie ich bin (höhö), etwas in den Mülleimer werfen. Erst machte es „krgk“ und ich machte „uups“ und dann machte ich eine kleine Weile gar nichts mehr. Dem Himmel sei Dank ist es einer dieser großen, schwarzen Metallmülleimer, also nicht in unmittelbarer Fußbodennähe, dass wäre doch zu entwürdigend gewesen. Ratlose Kinder auf der Suche nach Frühstück umringten die Mutter am Mülleimer. Sie streichelten mir zaghaft übers verrenkte Rückrat und machten sich dann davon, um selbst für ihr Frühstück zu sorgen. Ein Mülleimer ist kein Ort zum dauerhaften Verweilen und ich trennte mich, wenn auch schweren Herzens. Seit dem tappere ich durch das Haus wie ein uraltes Weiblein, habe ernsthaft schon zweimal einen Arzt aufgesucht (ich gehe nie!! zum Arzt) und nehme nun Tabletten, die ich sonst mit der Kneifzange nicht anfassen würde. Mein Rücken und ich haben uns ernsthaft verkracht. Zu lange habe ich ihm keine Beachtung geschenkt, seine Winseleien um Aufmerksamkeit bei Seite gewischt und nun rächt er sich, der kleinliche Geselle. Ich bin um Versöhnung bemüht, wedle zuversichtlich mit dem Flyer für die Rückenschule, aber noch scheint er ernsthaft eingeschnappt. Eingeschnappt bin ich im Übrigen auch. Warum nur haben unsere Rückkehren aus dem Urlaub immer nur so einen Hang zur Dramatik? Mit Grauen erinnere ich mich an letztes Jahr, als in den ersten 24 Stunden nach der Heimkehr Spülmaschine und Waschmaschine streikten und ich außerdem einen Reifen im eigenen Carport zum Platzen brachte. Hmpf. Vielleicht braucht es diese Dramatik, damit uns der Alltag nächste Woche wie ein Spaziergang erscheint.image

Aber natürlich haben wir auch viele andere, durchaus sehr erfreuliche Sachen aus dem Urlaub mitgebracht (abgesehen von der Schmutzwäsche, klar…). Unsere leeren Sonnentanks sind aufgefüllt bis an den allerobersten Rand. Selbst der, des licht- und sonnenhungrigen Gattens. Deutscher Regen und 25 Grad- kein Thema mehr nach zwei Wochen Sonne satt und Temperaturen von fast 45 Grad und nein, nicht in der Sonne sondern im Schatten.

Unsere Köpfe sind voll mit neuen Eindrücken und alten Stätten. Unsere Kinder kennen nun endlose Olivenhaine und die Bedeutung von sienabraun. Und sie finden die Stadt, die mir wieder die Tränen in die Augen trieb, weil ich sie so hinreißend finde, auch schön. Wir wissen nun, wo es das beste Eis im ganzen Chianti gibt und haben uns dreimal vergewissert. Wir haben unsere Kunstfertigkeit im Familienarschbombenspringen perfektioniert (aber nur wenn keiner zugeschaut hat). Unser großer Junge brachte seinen Sehnsuchtsort im Herzen mit nach Hause- Florenz war so unfassbar heiß und überfüllt, dass wir uns nur kurz aufhalten konnten. Nun träumt der geschichtsverrückte Knabe vom Dom und den Uffizien und irgendwann, wird er zurückkehren. Und weil es für den frischgebackenen Siebenjährigen keinen Urlaub ohne Kühe gibt, haben wir sogar eine Herde Maremmarinder gefunden, die ihn glücklich machten. imageWir sind gesättigt und voll von Familienzeit und Rotwein, mit italienischen Essen und historischen Gestalten. Unsere Ferienwohnung war wunderschön, aber karg ausgestattet. Sieben Gabeln, sieben Messer, sieben Teller…ich durfte wieder mal merken, wie befreiend ein Weniger sein kann. Und nehme diese Erfahrung gerne mit. Mit einem Lächeln im Gesicht stelle ich das Vorlesebuch des Urlaubs zurück ins Regal. Noch nie habe ich soviel vorgelesen, wie in diesem Urlaub, einfach, weil das Buch so unfassbar lustig und spannend war und die Kinder immer nach „mehr“ riefen. Und dann lagen sie in ihren Betten und redeten sich die Köpfer heiß, wie wohl alles zusammenhinge. Ich hoffe so sehr, dass diese heißen Sommernächte dazubeitragen, sie immer mehr zusammenzuschweißen, auch wenn ihre Wege sie nächste Woche wieder in unterschiedliche Richtungen führen.image

Ein Schneidebrett aus Olivenholz, ein Töpfchen toskanischer Honig, ein Kanister Olivenöl, eine neue Mokka für den Gatten. Ich stelle sie weg und weiß, dass sie uns für lange Zeit an diese Reise erinnern werden. Und uns hin und wieder, für einen Moment, den heißen toskanischen Sommer in den kalten, deutschen Winter holen werden.

Die Vorratskammern unserer Herzen sind vollgefüllt und dafür bin ich sehr dankbar.  Ich habe die Kerzen, die meine Kinder in italienischen Kirchen anzündeten, nicht gezählt, aber ich hängte an jede ihrer Fürbitten ein kleines Dankeschön dran.  Lieber Gott, sie werden wohl gut bei dir angekommen sein.

Und nun wärme ich mein Kirschkernkissen wieder auf, als weiteres Versöhnungsangebot an die beleidigte Kehrseite. Ich schiebe den Bammel vor den nächsten Wochen ganz tief nach unten. Und freue mich an den Willkommensgeschenken, die uns zu Hause erwarteten. Ein überbordender Malvenbusch. Tiefblaue Brombeeren. image

Oh, Fotos? Klar, hunderte. Und wirklich schöne. Leider ist unsere Computer auch gerade beleidigt und ich kann nicht eines hochladen. Das wird hier wirklich langsam zur Unsitte….

Zehn Dinge 2

Nach einer Idee von Veronika Smoor

Heute Morgen habe ich einen Rüffel vom Papst bekommen. Nein, er hat mich natürlich nicht persönlich angerufen, ich habe den Rüffel aber höchstselbst aus der Zeitung entgegengenommen. Dort stand nämlich zu lesen, dass der Hl Vater an der Tür zu seiner Unterkunft ein Klage und Jammerverbot anbringen ließ. Lamentieren und Nölen, insbesondere in der Gegenwart von Kindern, sei nicht erwünscht und begrenze den Menschen nur, anstatt ihn Lösungen finden zu lassen. Ich bin mir tatsächlich sicher- der Rüffel gilt nicht nur Kurienkardinälen, die auf eine Runde gepflegte Pienserei beim Chef vorbeischauen wollen. Nein, nein- ich fühlte mich, den Müslilöffel noch in der Hand, auf frischester Tat ertappt. Seit Tagen leide ich unter akuter Jammeritis und das trotz der ersehnten Sommerferien und (mal abgesehen von Grasmilben und einem rätselhaften Handausschlag) stabiler familiärer Gesundheit. Der Sommerflow im Herzen will sich einfach nicht einstellen, das Wetter nervt mich, wenn das Außen ruhiger wird, dann wird das Innen lauter und ich will es nicht immer hören. Müdigkeit bricht sich Bahn, statt des erhofften Tatendrangs. Außerdem fürchte ich, dass eine Dynastie von Fliegen bald die Alleinherrschaft in unserem Haus übernehmen will, aus heiterem Himmel plumpsen sie in den Tee oder in den Guß vom Schokokuchen, sie sind wirklich zu allem bereit. Naja, alles in allem also Jammern auf höchstem Niveau und sogar der Papst scheint es zu wissen. Höchste Zeit sich am Schlappen zu reißen und damit aufzuhören, sich den Sommer selber zu vergällen, nur weil der nicht so freundlich ist, sich meinen Idealvorstellungen anzupassen. Höchste Zeit also, um mal wieder auf die zehn Dinge zu schauen, die mich in der letzten Woche getragen haben, die schön waren, die gelungen sind. And here we go:

1. Ein Abendessen mit meinen Kindern in den Weinbergen. Rucksack auf, Brezeln, Käsewürfel, Würstchen und ein wenig Wein (für mich, nicht für die Kinder) hinein, ein halbstündiger Marsch bergauf und die Aussicht aufs Paradies genießen. Manchmal ist das Glück sehr simpel gestrickt.

2. Ein Sechsjähriger, der jetzt sieben ist. Die Geburtstage meiner Kinder stimmen mich immer ein bißchen sentimental, aber vor allem dankbar und froh. Und dieser wurde gefeiert, wie es sich gehört. Mit Ausflug zur Burg, Picknick und Schokoladenkuchen. Mit Besuch, Fußballspielen und Lagerfeuer. Perfekt.

image3. Das perfekte Geschenk zu diesem Anlass kam nicht von seinen Eltern, sondern von seinen beiden älteren Geschwistern. Ein Tischkicker, der funktioniert. Viel Arbeit steckt in diesem Geschenk, bestehend aus einem alten Umzugskarton, etwas Papier, Farbe und einigen Rundhölzern. Und viel Liebe. Perfekt eben.

4. Unser zwölfter Hochzeitstag, der zu wenig gefeiert wurde. Wir feiern ihn immer zu wenig, denn wir sind  so sehr mit Geburtstagfeiern beschäftigt. Aber zu wissen, dass man an diesem Tag, vor zwölf Jahren, genau die richtige Lebensentscheidung getroffen hat, und dass man sie genauso wieder treffen würde, ist wirklich toll, sehr beruhigend und legt nochmal eine große Schippe Dankbarkeit obenauf. Damals wie heute gilt: Ubi  caritas et amor ibi deus est.

image5. Ruhepausen. Hin und wieder ist es mir diese Woche gelungen. Und dann baumelten wir in der Hängematte. Oder ich lag im Liegestuhl. Sogar ein paar Seiten lesen war möglich. Ich ignorierte Unordnung und To do Listen. Der Unordnung und den Listen war es egal. Den Kindern auch. Also, was soll’s?

6. Gut, es war kein Poolwetter. Aber Zeit zum Werkeln und Basteln mit den lieben Kleinen. Jetzt ist der Jutebeutelvorrat wieder aufgestockt und ich habe endlich einen Stoffbeutel für unser Brot. Von kleinen Kinderhänden mit Korken handgestempelt. Ich hoffe, dass ist ethisch vertretbar.image

7. Jede Menge Besuch. Kinderbesuch. Die ursprüngliche Kinderzahl saß selten am Tisch. Aber ich freute mich darüber, dass unsere Kinder Freunde haben. Noch ein Schäufelchen Dankbarkeit. Und zum Helfen fand sich eigentlich auch immer eine kleine Hand.image

8. Himbeereis nach Linda Lomelino. Ohne Worte

image9. Dieses Buch, gefunden in der Bücherei. Das Vorgängerbuch über das Leben eines Wikingerjungen haben wir letzten Sommer vorgelesen und es wurde heiß geliebt. Die Bilder sind unglaublich eindrücklich. Gar nicht so einfach ein Buch zum Vorlesen zu finden, das mehrere Altersklassen gleichermaßen fesselt.

10. Ich darf packen. Das ist immer wieder Irrsinn. Aber: wer packen darf, der darf auch verreisen! Die Vorfreude steigt. Vor dem Abenteuer steht die Herausforderung des Zeugzusammensuchens für Sieben. Kann ich mittlerweile ganz gut. Deshalb dieses Jahr für Fortgeschrittene: sieben Menschen, zwei Wochen, ein Sharan, keine Dachbox (der Schlüssel war an meinem Schlüsselbund, den ich nun seit fast einem Jahr suche…) Also übe ich auch die Kunst des Weglassens. Getrost zu Hause bleiben dürfen: Windeln (hurra!), deutsche Funktionskleidung aller Art (wie gut, dass wir gar keine besitzen, ha!- alles richtig gemacht!), der Zwillingswagen (sie verfügen beide über ausgezeichnet funktionierende Beine und Füße, also bitte.  Für den Notfall hat der Gatte ausgezeichnet funktionierende Schultern), lange Hosen, warme Jacken, Strümpfe (das ist Italien!) und Essensvorräte (das ist Italien!!!). Irgendwie mit müssen: gefühlte drei Tonnen Buch, Kuscheltiere (pro Kind nur eins, das macht…), ein Fußball (unfasslich), die Hängematte (lässt sich auf Regencapegröße zusammenfalten und zählt damit gar nicht richtig). Ich bin sicher, dass wird. Bestimmt.

Na also, geht doch. Bin ich dem Hl Vater gerade nochmal aus dem kritischen Blick gehüpft. Und so bleibt nur noch, mich für die nächsten drei Wochen zu verabschieden, euch gesegnete, entspannte Sommertage und immer zehn Dinge im Blick zu wünschen. Ciao, ihr Lieben!

Ach Herr, schick mir ein Eichhörnchen…

Es gibt ja Tage, die gleichen einem einzigen Hindernislauf. Oder Langstreckenschwimmen im Haifischbecken. Nichts läuft rund, dafür fällt ständig etwas runter, es ist einfach verhext. Tage, wie geschaffen für Missverständnisse, Zank und wundgescheuerte Nerven. Für solche Tage brauchst du keine Kinder haben, es gibt sie mit 12 genauso wie mit 42 oder 84, weiß der Geier woran es liegt. Und ich meine natürlich nicht, die wirklich großen Lebenskatastrophen, sondern nur die kleinen Widrigkeiten, die dir um die Ohren pfeifen, gerade ätzend genug, um dir aufs schönste den Tag zu vergällen und dich an deinem Verstand zweifeln zu lassen. Vor vielen Jahren hatte ich genau so einen Tag. Ehrlich gesagt habe ich keinerlei Erinnerung daran, was genau mir da alles an Unbill widerfahren war, aber ich fuhr Auto und verzweifelte so vor mich hin. Und plötzlich hüpfte vor mir ein Eichhörnchen über die Straße, sprang auf den nächsten Gartenzaun, rüber zum nächsten Baumstamm und schwups- weg war es. Nun musst du wissen, dass der Anblick eines Eichhörnchens ganz wunderbare Auswirkungen auf mich hat. Mein Herz macht dann wirklich jedes mal einen Hüpfer vor Freude, ich kann nicht anders, als lachen, wenn ich diese possierlichen Tiere irgendwo entlang flitzen sehe. Meine Laune steigt unter Umständen von minus zehn auf sonnige 28 Grad, die Welt sieht direkt wieder freundlicher aus, Leichtigkeit zieht ins zerknitterte Gemüt. So war es auch an diesem Tag. Und ich dankte meinem Gott von Herzen, denn es fühlte sich wie ein himmlisches Augenzwinkern an und das war genau das, was ich brauchte.

Seit dem sind einige Jahre und diverse solcher Ätztage ins Land gezogen. Wenn es hart auf hart kommt, dann kannst du mich aus tiefster Seele seufzen hören: „Ach Herr, schick mir ein Eichhörnchen!“ Es ist nicht so, dass ich um schnelle Lösungen ersuche oder um Befreiung von Alltagssorgen und  dem gemütlichen Rundumpaket. Nein wirklich nicht, denn so ist es halt, das Leben- es hat Ecken und Kanten. Aber ich bitte um ein himmlisches Augenzwinkern, das meine Welt und vor allem meine Sicht auf dieselbe wieder gerade rückt. Es sagt:“wird schon alles gut werden, ich lass dich nicht allein, mein Mädchen. Und nun vergiss das Lächeln nicht!“  Erstaunlicherweise funktioniert es. Erstaunlicherweise sind mir an solchen Tagen schon sehr häufig Eichhörnchen über den Weg gelaufen und haben mir das Herz leicht gemacht (und nein, wir wohnen nicht im Wald!). Eichhörnchen sind mein persönlicher Regenbogen, wenn meine kleine Arche ins Schwanken gerät. Es ist nicht unbedingt gleich Land in Sicht, aber ich weiß….

Die letzte Woche hatte gleich mehrere solcher Nervtage in petto. Am Dienstag sah ich das Eichhörnchen. Am Mittwoch schwand die Zuversicht schon wieder merklich. Am Donnerstag  hatte ich Geburtstag. Und bekam

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von meiner wunderbaren Tochter! Ich habe mich so sehr gefreut. Über dieses Bild. Über die Mühe, die sie sich gemacht hat. Und über das himmlische Augenzwinkern, das fast schon so etwas, wie eine dicke, feste Umarmung war.

Und weil ich außer schönen Geschenken viele gute Wünsche bekam, kann ich getrost welche an euch weitergeben: ich wünsch euch ein Eichhörnchen, einen Regenbogen oder was auch immer euch strahlen lässt, zur rechten Zeit, wenn euch das Leben um die Ohren fliegt und kein Land in Sicht ist, ein kleines Augenzwinkern und etwas Leichtigkeit im Herzen…

Gesehen und berührt

Also, ich gehöre ja zu den Menschen, die richtige Heulbojen sind, nah am Wasser gebaut, nie um ein Tränchen verlegen, furchtbar rührselig. Dieses Phänomen hat sich dummerweise mit jedem weiteren Kind verstärkt und jetzt kann ich ohne Taschentücher keine Medallienverleihung anschauen- und sei sie noch so abstrus, Nationalhymnen sind auch ganz furchtbar, oder schöne Musik, wenn jemand etwas Nettes über meine Kinder sagt oder ein ansprechender Zeitungsartikel, schon öffnen sich die Schleusen. Die zweite Folge von „Anne with an e“ hat mich so beansprucht, dass ich erstmal eine Guckpause brauchte, manche Lieder im Chor, ein „Tatort“, in dem ein Kind verschwindet- vergiss es. Meine Familie weiß um diese nasse Macke und sieht freundlicherweise großzügig darüber hinweg. All das rührt mich irgendwie, irgendwie sogar zu Tränen, aber es berührt und erschüttert mich nicht wirklich (sonst müsste ich mir echt Sorgen machen!).

Am Abend des letzten Schultages ging ich ins Bett und fand darin mein persönliches Zeugnis- und das hat mich wirklich berührt, in meinen tiefsten Tiefen (da heule ich übrigens nicht, das findet irgendwo eine Etage tiefer statt) Und ich dachte daran, wie wichtig es ist, dass wir gesehen werden, von denen, die uns etwas bedeuten. Wieviel es uns bedeutet, dass wir wahrgenommen werden, so wie wir sind und in dem, was wir tun. Eine Bestätigung dieses Gedankens fand ich nur einen Tag später. Da fuhr ich mit meinem Zwillingsmädchen alleine zum Einkaufen. Eigentlich nichts aufregendes, aber ich mache das sonst nie. Still, stolz und strahlend thronte sie in ihrem Kindersitz neben mir. Ab und an streichelte sie meine Hand, die schaltete. Und mir wurde schlagartig klar: Oft sehe ich nur den Doppelpack. Es sind „die Zwillinge“. Das passiert schon deshalb, weil sie so unwahrscheinlich aneinander hängen. Aber es sind eben auch zwei einzelne Menschen. Und jeder will auch für sich wahrgenommen,gesehen und gewürdigt werden. imagePassend dazu lese ich gerade dieses Buch. Ich weiß, ich bin spät dran. Aber ich habe eben wirklich eine Abneigung gegen Ratgeber und dieser ist in gruseliges Deutsch übersetzt. Nichts desto trotz sind mir Teile davon so oft über die Füße gelaufen, dass ich das ganze Werk lesen wollte. Letztlich geht es wohl um nichts anderes, als um das gesehen werden, um das wahrnehmen und würdigen, in einer Ausdrucksform, die wir begreifen und verstehen können. Was nützt die schönste Würdigung, wenn ich sie gar nicht verstehe? Die Idee gefällt mir. Sie gefällt mir für den Gatten und mich als Ehepaar, das auch ganz unterschiedliche Liebessprachen spricht. Es gefällt mir für uns als ganze Familie und ich denke viel nach, über die Sprachen, der einzelnen Sippenmitglieder, ihre unterschiedlichen Dialekte. Ich möchte Sie gerne sprechen lernen, denn sie sollen wissen und verstehen, dass sie gesehen werden. Und geliebt, selbstverständlich. Das „Zeuknis“ war in meiner Liebessprache geschrieben. Es hat mich nicht gerührt, es hat mich berührt. Und dem Himmel sei Dank, glaube ich fest daran, dass es einen gibt, der uns alle wahrnimmt und würdigt und uns einfach liebt. Dich auch.

Endlich…

Endlich sind Ferien! Endlich!! Endlich, weil es ein langes Schuljahr war, voller Neuanfänge und Veränderungen. Voller Befürchtungen und Gelungenem.Viel wurde geschafft, vieles hat uns herausgefordert, nur selten mussten wir verzweifeln. Und jetzt sind endlich Ferien. Ich habe mich heute seitenweise durch Zeugnisse gelesen und pflichtschuldig meine Unterschrift unter alle gesetzt. Und meine Kinder geknuddelt, weil sie Tolles geleistet haben. Damit wäre der amtliche Teil erledigt, Haken dran und jetzt, endlich!!!, Ferien!image Gut, die Flut an Schuljahresendealtpapierheften ist noch nicht bewältigt (warum gibt es eigentlich keine Schulbücher mehr? Warum füllen Kinder Seite um Seite in Übungsheften aus und schmeißen sie dann weg?). Und wir warten noch darauf, dass der Gatte aus Berlin heimgeschwommen kommt. Aber ansonsten sind -endlich- Ferien. Für einen Moment dachte ich tatsächlich, es wäre eine guter Plan, sie so zu verbringen. imageZweieinhalb Minuten später war klar, dass ich so wohl eher so verbringe… imageUnd das ist toll. Ich wünsche allen,  und nicht zuletzt uns, schöne Ferien. Den Duft von Freiheit in der Nase, kein Zwang und kein Müssen. Zeit zum Spielen, gemeinsam und alleine, zum Garnichts tun, zum Kraft tanken und Quatsch machen, zum Hängematte schaukeln, Pool planschen und endlosem Lesen und und und…allem, was dich froh macht. Wir haben tatsächlich eine Liste eröffnet- ganz ohne jeden Anspruch auf komplette Umsetzung. Einfach, weil es schon unglaublich spaßig und erholsam ist, zu überlegen, was alles möglich wäre… imageWas steht auf eurer Liste?