Sekunden und Stunden

Zu meinem Geburtstag hat der Gatte mir ein wunderbares Geschenk gemacht und mir damit einen riesigen Wunsch erfüllt. Er schenkte mir eine Armbanduhr, genau so wie ich sie mir erhofft hatte. Die Uhr ist toll. Sie sieht nicht nur, nach meinem Geschmacksempfinden, sehr schön aus und hübscht damit dekorativ mein Handgelenk auf, nein, sie kann mir auch ganz präzise sagen, wieviel Uhr wir gerade haben. Auf die Minute genau sogar. Sonst kann diese Uhr rein gar nichts. Herrlich. Sie misst nicht meinen Puls, informiert mich nicht über meinen Kalorienverbrauch, Blutdruck und Herzschlag, über zu wenig Bewegung oder mangelnde Tiefschlafphasen. Sie zählt nicht meine Schritte und konfrontiert mich nicht mit meinem Körperfettanteil. Sie will nicht mit mir sprechen und mich auch nicht dazu bringen mit anderen zu sprechen. Sie empfängt und verschickt keine Nachrichten oder e-mails, verbindet mich mit keinen sozialen Netzwerken, will mich weder optimieren noch manipulieren und sie nötigt mich auch nicht, irgendwelche apps  mit ihr zu besuchen oder gar meine Kinder per modischer Fußfessel rund um die Uhr zu überwachen. Sie ist was sie ist- eine ganz simple Armbanduhr. Ich liebte sie von dem Moment an, als sie aus ihrer Geschenkpapierumhüllung in meine Hände fiel.

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Seit Jahren war ich nicht mehr Besitzerin einer schlichten Armbanduhr, genau seit dem Zeitpunkt, als meine alte Armbanduhr das Zeitliche segnete und ich nur noch Handy bzw Smartphonebesitzerin war. Und ich dachte eine lange Weile lang, dass dies genug Besitz ist, um die Minuten und Stunden des Tages im  Blick zu haben. Deswegen hat man das flache Dingelchen ja auch überall dabei.

Kurz aus der Tasche gefingert und schon bist du im Bilde. Über die Uhrzeit. Und das Wetter. Die letzten fünf eingegangen e-mails. Ach- und das whats app Zeichen blinkt ganz hektisch, da schau ich nur mal schnell. Und natürlich kann man auch angerufen werden, das auch- vor allem im Notfall. Eigentlich wolltest du nur kurz wissen, wieviel Uhr es ist und schon erliegst du der Versuchung, den kurzen Rundumblick über das Weltgeschehen zu werfen. In kürzester Zeit bist du sehr viel schlauer, denn du weißt nun, dass an dem Ort an dem du gerade stehst, die Sonne scheint, dass B. Halsschmerzen hat und heute leider nicht zum Fußballtraining kommen wird, dass die Kinder von S., die du gar nicht persönlich kennst, weil sie am anderen Ende der Republik wohnt und du ihr Gesicht nur auf einem Instaprofil gesichtet hat, also deren Kinder fahren just in diesem Moment friedlich Bobbycar, man kann das auf dem Minifilmchen sehr gut erkennen. Deine eigenen Kinder schaukeln gerade, du kannst es sehen, wenn du nur den Blick von diesem blöden kleinen Bildschirm hebst. Vielleicht sollte man schnell ein Foto machen? Ist doch ganz zauberhaft, wie die da so schaukeln. Hashtag „livingwithkids“ oder „slowfamily“ oh, oder „enjoythemoment“.

 

Ich habe eine äußerst dezidierte Meinung zu dem ganzen Smartphonegedöns, zu Instagram und Facebook, zu Medienkonsum im Allgemeinen und im Besonderen, zu Pinterest-Irrsinn und dem Leben durch den Sucher einer Handykamera. Ich habe aber auch eine sehr dezidierte Meinung, was den Verzehr von Toffifee- Packungen im Ganzen angeht, und trotzdem….mein Geist ist willig, aber das Fleisch…

ich kaufe in der Regel keine Toffifee- Packungen mehr. Und ich lass das blöde Smartphone immer häufiger zu Hause, oder lege es auf die Fensterbank im Klo. Da sieht es mich nicht und ich sehe es auch nicht.

Ich schwöre ihm nicht ab, nein, natürlich nicht. Aber ein Zuviel ist schnell erreicht. Zuviel unnötige Informationen, zu viele Bilder, zu viel Betrieb auf allen Kanälen. Und schon ist auf der Festplatte deines Hirns und noch viel wichtiger, deines Herzens kein Speicherplatz mehr frei, für das, was wirklich zählt.

 

Ich will aber wirklich im hier und jetzt leben. Langsamkeit und Achtsamkeit sind nicht nur Modewörter, die schnell geschrieben aber kaum umsetzbar sind. Ich will die ungeschönte Wirklichkeit meines Lebens selbst erleben und gestalteten, ganz ohne Filter und Ablenkung. Zeit mit meinen Kindern und meinem Mann verbringen, mich auf das, was ich tue einlassen und darin die Gnade Gottes erkennen. Und wenn wir schaukeln, dann schaukeln wir. Wenn wir lesen, dann lesen wir. Und wenn wir essen, dann essen wir. Menschen und Begegnungen. Wenn ich sie wirklich erfassen und erleben will, dann muss ich mich auch ganz darauf einlassen, ganz ohne elektronische Krücke. Sehen, hören, riechen, schmecken, aus. Den warmen Sommerabend, der Geruch von Brot im Ofen, zankende Kinder und ein kleines Mädchen, auf der Suche nach Streicheleinheiten, ein neu entdecktes Lied, die lustige Geschichte, die ein Elfjähriger zu erzählen weiß, pickende Spatzen auf unserem Gartentisch. Mehr Sommer wird nicht, nie war die Gelegenheit günstiger, der virtuellen Welt ein wenig den Rücken zuzukehren und „hallo Leben“ zu rufen.

Willst du das große Glück in den kleinen Dingen finden, dann musst du dir für die kleinen Dinge auch Zeit nehmen. Auch auf die Gefahr hin, dass der Rest der Welt von diesem unverschämt glücklichen kleinen Moment nichts erfahren wird. Deswegen trage ich jetzt wieder eine Armbanduhr, die mich nicht an meine Unzulänglichkeiten erinnert.  Es gibt weniger Notfälle, als man so glauben mag. Und wer das Fußballtraining einer F-Jugendmannschaft an einem Mittwochabend besucht, ist völlig wurscht. Wenn du wissen willst, wie das Wetter ist, dann streck den Kopf zum Fenster raus. Da drüben wird eine Schaukel frei- da setzte ich mich gleich mal selber drauf.

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Aus dem Nähkästchen

Hurra, wir sind wieder da! Und wenn einer eine Reise tut….

dann muss er erstmal packen. War, wie jedes Mal, eine Herausforderung der besonderen Art und dieses Mal wirklich für Fortgeschrittene. Da wir die Republik ja quasi fluchtartig am frühen Morgen des ersten Ferientages verlassen haben und vorher nahezu ununterbrochen mit Feiern und Verabschieden beschäftigt waren, gestaltete sich das Zusammensuchen des ganzen Krams ein wenig schwierig. Aber einen Profi kann nichts aus der Ruhe bringen. Vergessen habe ich nur die Socken für mein kleines Mädchen und ein paar Schlafanzüge. Aber ein bisschen Schwund ist ja immer. Interessanterweise hatte ich auch die „Pack- dir -was- zum- Spielen- ein“- Rucksäcke keiner eigenen Überprüfung unterzogen. Im Rucksack meines Jüngsten fanden sich ein T-Shirt, Socken für seine Schwester, drei Feuerwehrpflaster und vier Batterien. Das nenne ich vorausschauend Packen. Außerdem mit im Gepäck: Schulabschiedsschmerz, Übermüdung und ein paar Altlasten, mindestens ein überdrehtes Gehirn (nämlich meines), diverse Lebensfragen und einige Kümmernisse.

muss er erstmal losfahren. Unsere Reisegewohnheiten stoßen bei unseren Mitmenschen immer wieder auf, nun ja, Verwunderung. Aber für uns funktioniert es. Reist es sich zu siebt in einem Sharan ohne Dachbox, dafür aber mit jeder Menge Gepäck, bequem? Nein, natürlich nicht. Aber! Aber, man fährt ja in Urlaub! Etwas Tolles liegt vor der ganzen Familie, da sind ein paar Stunden beengtes Sitzen gut zu verkraften. Es ist immer wieder ein kleines Abenteuer und ziemlich lustig. So empfinden es auch alle Beteiligten. Ist man dann glücklich am Zielort angekommen, sind eh alle Strapazen vergessen. Damit die gute Stimmung während der Fahrt erhalten bleibt, bedarf es allerdings ein paar kleiner Vorbereitungen. Am Platz darfst du geizen, aber niemals am Essen. Essen in großen Mengen. Essen darf nie ausgehen (Gummibärchen und Zimtschnecken, hartgekochte Eier und belegte Brötchen, Kekse und noch mehr Gummibärchen). Hörspiele, Hörspiele, Hörspiele. Zur Schonung der eigenen Nerven und aus Rücksicht auf die unterschiedlichen Altersstufen verteilt auf drei mp3-Player. Als elterntaugliche Rundumunterhaltung erwies sich auf dieser Reise das Hörbuch „Miles und Niles“ gelesen vom großartigen Christoph Maria Herbst (lustig für Menschen ab acht).

 

Als hilfreich haben sich auch unsere traditionellen Reiseordner erwiesen. Die Idee dazu habe ich schon vor ewigen Zeiten bei Veronika  geklaut und insbesondere das Autobingo ist immer wieder der Knaller (vor allem, wenn jemand behauptet, er habe morgens um fünf im strömenden Regen ein Cabrio und eine Kuh auf der Autobahn gesichtet).

kommt er auch irgendwann an. In unserem Falle in Dänemark. Das Ferienhäuschen schmiegte sich in die Dünen und 500m weiter toste die wilde Nordsee. Es war genau das, was ich in diesem Jahr dringend brauchte. Ich räumte die Klamotten in die Schränke und packte meine Ferienliste aus. Dicke Bücher wollte ich lesen, Socken stricken lernen und mindestens drei Paar stricken, ganz viel schreiben, mich ausreichend bewegen und mich hingebungsvoll meinen Kindern widmen. Und meinem Mann. Hmm. Es dauerte ein Weilchen, aber dann warf ich die Liste auf den gedanklichen Misthaufen. Und tat nur noch, wozu ich wirklich Lust hatte. Das war erstaunlich wenig. Das Meer und die Dünen, der Wind und die Weite halfen beim anfangs schmerzhaften Gesundschrumpfen. Die mitgebrachten Kümmernisse und Altlasten plumpsten irgendwann in die stürmischen Wellen. Nichts erdet mich mehr, als die gottgegebene Urgewalt des Ozeans.

 

kann er sich neu ausrichten. Neue Perspektiven. Andere Blickwinkel. Ich liebe ja Familienurlaub, nicht nur wegen der gemeinsam verbrachten Zeit, sondern weil man jeden Einzelnen der Sippe an einem anderen Ort unter anderen Umständen und mit der nötigen Zeit auch neu kennenlernt. Mit einem Zwölfjährigen wirklich im Gespräch zu bleiben, zu erahnen, was ihn wirklich bewegt und umtreibt, über die Schule und das Übliche hinaus, ist im Alltagsgewusel und an vollen Schultagen gar nicht mal so einfach. Hier war die Gelegenheit. Den eigenen Mann. Die Kleinen und die Großen. Neue Beziehungen durften wachsen. Mit einem viereinhalbjährigen Bruder kann ein beinahe Drittklässler plötzlich richtig gut Fußball spielen. Stundenlang. Gemeinsam das WM -Aus beweinen, Schwesternliebe, ganz inniglich. Die Kinderschar mischt sich. Alte Streitigkeiten und neue Gemeinsamkeiten. Und manches Altbewährte trägt und verbindet uns immer noch oder immer wieder neu. Vorlesen. Spielen. In der Sonne sitzen und Quatsch machen. Schaukeln. Gutes Essen.

 

erweitert den Horizont. Neues Land, neue Elemente, fremdes Essen, einfach anders als gewohnt. Das hält die Hirnwindungen geschmeidig und das Herz beweglich. Da glaube ich ganz fest dran und das gilt für alle Altersklassen. Außerdem war ja mehr als ausreichend Zeit für neue Bücher und neue Spiele. Meine Lektüreversuche sind allerdings komplett fehlgeschlagen, deswegen liste ich sie gar nicht erst auf. Macht nix. Da meine Vorliebe für gute Kinderbücher ähnlich ausgeprägt ist, wie die für Malteserschokokugeln, kam ich trotzdem voll auf meine Kosten. Untrügliches Kennzeichen eines guten Kinderbuches ist es, wenn nicht nur der Adressat sondern alle plötzlich gebannt hören (sogar der Gatte und der Teenie). Dieses Mal hatten wir gleich zwei Volltreffer im Gepäck: den extra aufgesparten dritten Band von Pudding Pauli und „Anton braucht Mut“. Wir mochten auch schon „Anton hat Zeit“ und die Fortsetzung ist mindestens ebenso gelungen. Absoluter Spielfavorit selbst schon für unsere Kleinen war die „Mogelmotte“ und endlich können wir zu mehreren Canasta spielen.

 

wird er trotzdem älter. Aber am Geburtstagsmorgen meine sechs Lieblingsmenschen, einen Erdbeerkuchen und dann auch noch Kaffee in meinem Bett vorzufinden, verhalf mir umgehend zu der Erkenntnis, dass ich wirklich reich beschenkt bin. Reicher geht nicht.

 

kommt hoffentlich froh nach Hause. Oh ja, wir sind wieder zu Hause. Und froh sind wir auch. Angefüllt mit neuen Eindrücken und viel frischer Luft. Aber vor allem auchdankbar. Dankbar für eine schöne, gemeinsame Reise und dankbar für das Zuhause, in das wir unheimlich gerne zurückgekommen sind. Und natürlich dankbar dafür, dass wir noch vier lange Wochen Sommerferien vor uns haben.

 

dann kann er was erzählen. Nun, da habe ich mich wohl ein wenig verplaudert. Aber vielleicht hast du deine Reise ja noch vor dir…und freust dich schon ganz arg. Lass bloß deine Liste zuhause. Und wenn nicht, man kann ja auch das eigene Daheim neu kennenlernen. Das werden wir jetzt tun. Es sommert….

Zur Feier dieser Tage

Also, wir kommen aus dem Feiern gar nicht mehr heraus, die Festchen reihen sich aneinander, wie die Perlen auf einer Schnur. Während große Teile der Republik sich noch den Pfingstferienschlaf aus den Augen reibt, die erholten Glieder reckt, um sich doch hoffentlich enthusiastisch und bienenfleißig in den verbleibenden Teil des Halbjahres zu stürzen, klopfen bei uns schon die Sommerferien an die Tür. Die Tage und Wochen davor liefern sich, wie in jedem Jahr, einen unfassbar albernen Zickenkrieg mit der Vorweihnachtszeit, wer wohl die festlichste, terminüberladenste und trubeligste Zeit des Jahres sein darf. Ich schätze, dieses Jahr gewinnt der Sommer. Wir feiern Klassenfeste, Kindergartensommerfeste, Geburtstag in allen Varianten, Hoffeste, Schulfeste, Einschulung (jaja, was man vor den Ferien kann besorgen….), Ausschulung- manchmal gleich mehrere Feste an einem Tag. Und wenn sich die Sippe nicht gerade um irgendeinen Grill schart, dann findet man den Nachwuchs unterwegs auf Ausflügen, in Museen, römischen Villen oder Vergnügungsparks. Das ist alles wunderschön und alles wunderschön anstrengend. Der Mensch verträgt nur ein gewisses Maß an Bratwürsten und gebackenem Schafskäse und ich habe ständig Angst, aus Versehen vor dem verkehrten Grill zu stehen oder das falsche Kind dem richtigen Ausflug mit zu geben. Und Fußball hat noch gar nicht angefangen!

 

Wenn wir uns nicht gerade von Fest zu Fest futtern, dann findest du mich in der Küche, wo ich für das nächste Fest….naja, du weißt schon….oder ich scheuche die Kinder den Kirschbaum hoch, der voll mit süßen, roten Kirschen hängt, über und über. Natürlich wollte ich clever sein und brachte zum Samstagsgrillfestchen eine Schüssel der prächtigsten Kirschen mit, aber da standen schon drei andere und wir nahmen unsere wieder mit, hmpf.

 

Und dann merke ich plötzlich, in all dem Trubel, wie mein Herz nach Ruhe ruft, nach einer Pause, um all die Begegnungen und Treffen überhaupt sortieren zu können, nach Langsamkeit und ein bisschen Stillstand in dieser veränderungsreichen Zeit. Denn plötzlich ist mein Mädchen zehn. Plötzlich schulen wir sie schon um, ist die Grundschulzeit hier in unserer überschaubaren kleinen Stadt für sie vorbei, werde ich zusehen, wie sie die große Stadt für sich entdeckt und sich ganz neue Welten öffnen (hatte ich nicht gerade, vor kurzem, es ist doch noch gar nicht lange her, eine Schultüte genäht und…)

Auf einen Schlag merke ich, wie groß diese Kinder werden, um wie vieles selbständiger sie schon sind und das es wieder mal an der Zeit ist, ein Stückchen loszulassen. Ich bin ganz schlecht im loslassen. Dieser Tage räumte ich die Geburtstagskerzen zurück in den Schrank und jammerte dem Gatten vor, dass der liebe Gott da irgendwo einen grässlichen Fehler eingebaut hat. Er legt dir so ein winziges Würmchen in die Arme, so dass dein Herz sofort rettungslos verloren ist und dann darfst du dich Jahr um Jahr ein bisschen weiter verabschieden, loslassen, was dir am liebsten ist und einsehen, dass es dir nun mal nicht gehört. Kannst du in den ersten Monaten aus dem Stand heraus einen abendfüllenden Vortrag über jeden quersitzenden Pups deines Kindes halten, ist das ein paar Jahre später nur noch schwer möglich. Mit jedem Jahr wächst der ureigene, private Raum des kleinen Menschlein und der will respektiert werden. Vertrauen ist gefragt und- Loslassen. Der Gatte tröstete seine aufgelöste Frau und versicherte ihr, dass die Kinder uns nicht abhanden kämen. Es würde eben nur anders und das ist ja nicht verkehrt. Gott sei Dank fiel mir zwischendurch wieder ein, dass Zehnjährige ja nicht direkt ausziehen. Ein bisschen wird es wohl noch dauern.

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Aber- zur Feier dieser Tage, zur Feier des Sommers und der Stunden, die er uns schenkt, zur Feier des Wissens, dass es eben nicht unendlich viele Sommer mit den Kindern geben wird, gehe ich in Sommerpause, für die nächsten vier Wochen. Ich werde weiter gegrillten Schafskäse futtern und rote Kirschen. Stundenlang „Verliebt, Verlobt, Verheiratet“ auf der Straße spielen und Federball, in Urlaub fahren und im Herzen ein wenig loslassen üben. Ich werde dicke Bücher lesen, bei jedem WM-Spiel mit meinem Zweitklässler mit fiebern und Muscheln sammeln gehen. Nur mit der Hand schreiben, ganz altmodisch, auf Papier, Canaster zocken und Zeit haben, für die, die mir für eine Weile anvertraut wurden. Im hier und jetzt, im realen Leben.

 

Oh, zur Feier des Tages gab es ja auch eine Verlosung! Ein herzliches Dankeschön für jeden einzelnen Kommentar, denn ich habe mich wahnsinnig gefreut. Die Ziehung wurde natürlich ordnungsgemäß von einem unabhängigen Institut durchgeführt und das Päckchen darf in die Schweiz zu Sonja reisen! Viel Freude wünsche ich ihr damit!

 

Und dir wünsche ich einen herrlichen Sommer, genieße ihn, lasse es dir gut gehen und sei behütet! Bis bald!


 

Salz und ein Gewinn

In unserem wirklich kleinen Städtchen gibt es ein kleines Kaufhaus, mitten im Ortskern, genau da, wo man gut sehen kann, dass das Städtchen eigentlich ein Dorf ist. Natürlich gibt es ums Städtchen herum all die einschlägigen Geschäfte auf der grünen Wiese, die es ja eigentlich überall gibt, Discounter neben Discounter neben Supermarkt neben Drogerieprodukten und noch mehr Drogerieprodukten. Alles da. Aber im Herzen des Ortes ein Kaufhaus. Vielleicht möchtest du ein bisschen in der Geschenkeabteilung kramen oder eine neue Teesorte ausprobieren? Vielleicht suchst du aber auch nur zwei Schrauben und genau einen Nagel in der richtigen Größe, kein Problem, gehe zweimal um die Ecke und hinten rechts wird dir jemand weiterhelfen. Oder du brauchst ein Buch, ein Päckchen Playmobil, ein Kindergeburtstagspräsent, einen Rat bei der Auswahl eines Brettspieles, zwei Bleistifte oder doch einen neuen Schulranzen? Vielleicht ein Knäuel Wolle, eine neue Klobürste oder Bastelinspirationen? Lieber eine Bohrmaschine? Was auch immer du suchst, die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch, dass du es hier findest und falls nicht, dann frag einfach nach. Als wir vor fast zwölf Jahren hierher zogen, wurde uns schon von Ortskundigen angekündigt: „Was du da nicht findest, findest du im ganzen Ort nicht.“ Vor allem findest du hier immer ein nettes Wort, einen freundlichen Gruß und geduldige Hilfsbereitschaft, ein echtes Familienunternehmen, Salz in der Suppe der Gemeinschaft.

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Ich werde mich hüten und anfangen, auf die großen Internetriesen zu schimpfen, denn viel zu oft nehme ich ihre Dienste in Anspruch. Aber es sind Orte, wie dieses kleine Kaufhaus, die Städtchen und Dörfern ein menschliches Gesicht geben, wo man deinen Namen kennt und ein echter Mensch dir weiterhilft. Wo Einkaufen immer mit einer Begegnung verknüpft ist und du spürst, dass das Leben an einem Ort eben auch Leben in einer größeren Gemeinschaft ist, dass du nicht alleine durch dieses Leben gehst und persönliche Ansprache ein Grundnahrungsmittel ist, dass zur Gesunderhaltung dringend nötig ist. Die Bäcker und Metzger, das Handarbeitslädchen und die Frau in der Apotheke, sie alle sind das Salz in der Suppe der Gemeinde, auch an deinem Ort. Also besuch sie doch bitte, wenn es irgend geht, damit sie bleiben.

In diesem kleinen Kaufhaus bekam ich vor ein paar Monaten ein kleines Pröbchen von ganz wunderbarem Kräutersalz zugesteckt (siehst du, Pröbchen! Pröbchen!) und war noch am selben Abend beim Essen schwer begeistert. Und weil ich so begeistert war und das Salz außerdem den Namen meiner noch wunderbareren Tochter trägt (ich weiß nicht genau, was das ist, aber da hakt sofort irgendetwas aus, bei mir)  habe ich es gekauft. Und zwar mehrfach, um es zu verschenken. Die bis hierher Beschenkten sind genauso begeistert, wie ich. Ein Händchen davon übers Ofengemüse, an die Nudelsoße oder in den Joghurt und schwups- lecker! Der Sommer ist, kulinarisch gesehen, auf jeden Fall gerettet. Wäre ich doch von alleine nie drauf gekommen.

 

Dieses kleine Blogeckchen hier, das auf ganz eigene Weise für mich Salz in der Suppe geworden ist, wird nun schon zwei Jahre alt. Ich freue mich sehr darüber, über das Schreiben dürfen, über jeden Leser und über jeden Kommentar. Wieviel tolle Bekanntschaften durfte ich auf diesem Wege schon machen, wie sehr bereichert es mein Leben. Danke! Und weil ein Blog ohne Leser natürlich eine etwas schale Angelegenheit wäre, möchte ich als Dankeschön tatsächlich auch mal etwas verlosen. Eben dieses Kräutersalz natürlich, ich habe nämlich noch ein Päckchen übrig. Und ich lege noch etwas zum Trinken und etwas Süßes dazu, damit die Sache rund wird. Hinterlasse mir doch einfach einen Kommentar und am Sonntag, 10. Juni, wird gelost. Vielleicht hast du Glück und bekommst ein Päckchen von mir!

Bis es soweit ist, vertreibe ich mir die Zeit mit jeder Menge Festvorbereitungen. Geburtstag, Klassenfeste, Ein und Ausschulungen- Feste sind ja auch ein bisschen das Salz in der Familienalltagssuppe, da muss man nur aufpassen, dass man nicht Zuviel auf einmal abbekommt….aber sonst ist es sehr lecker.

 

Ehrlicherweise….

Am letzten Samstag durften wir einen ganz wunderbaren Abend erleben. Es war ein Frühsommer- oder Spätfrühlingsabend, wie er sich schöner nicht ausdenken ließe. Ein kleines Hoffest in einem wunderschönen Garten, das herrliche Wetter und Musik, die Kinder spielten und rannten umeinander, ohne noch groß an ihre Eltern zu denken, denn unverhofft viele gleichaltrige Freunde fanden sich ein und es gab so nette Gespräche bei einem netten Fläschchen Wein. Fröhliche Leichtigkeit durchzog diesen Garten, geschenkte Zeit, einfach so.

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Überhaupt sind all diese Tage und Wochen gerade geschenkte Zeit. Wir haben zwar noch keine Ferien, aber im Grunde ist alles geschafft. Das erste Jahreszeugnis hat sogar schon den Weg nach Hause gefunden, die Viertklässler bereiten sich nahezu ausschließlich noch auf ihre Abschlussfeierlichkeiten vor, alle Arbeit ist eigentlich getan. Was bleibt sind eine schier endlose Reihe an Sommerfestchen und Poolnachmittagen, Schulausflügen und Eis- Essen. Morgens um kurz nach sieben, finde ich meine spielenden Kinder vor dem Haus und reibe mir verwundert die Augen. Kein Beknien und zur Eile mahnen ist mehr nötig. Aber es lässt sich ja auch soviel leichter zur Schule gehen, wenn nichts Garstiges mehr wartet, nur in kurzer Hose und T-Shirt. Keine lästiges Klamottensuchen, kein Kälteerschauern und kein Bangen mehr, vor fiesen Aufgaben. Geschenkte Zeit für die Kleinen und die Großen, das Leben nimmt es gerade leicht.

An diesem schönen, lauen Samstagsommerabend durften wir die Bekanntschaft zu ausgesprochen netten Menschen vertiefen und irgendwann kam das Gespräch auf das Bloglesen und das Blogschreiben, was wir mögen und was eher nicht, was uns interessiert und anspricht oder eben nicht. Was meine neue Freundin an all diesen Blogs, ja auch an meinem, stört, ist der Umstand, dass das Happy End immer mitgeliefert wird. Ein fieser Tag, Schwierigkeiten mit den Kindern, kleine Selbstwertkrise oder Ärger mit dem Liebsten- am Ende des Eintrags ist alles wieder gut und wird mit ein einigen hübschen Bildchen ansprechenden Gebäcks, ein paar Blümchen und friedlich bastelnden Kindern garniert. Die Freundin denkt dann, „Warum ist es nur bei mir nicht so?! Was läuft denn da nur falsch?!“

Recht hat sie, mit ihrer Kritik, ich sehe das sehr wohl und ich habe mir ernsthaft darüber Gedanken gemacht. Tatsächlich ist es ja so, dass jeder Blogeintrag, von wem auch immer er stammen mag, nur ein kleines Fensterchen in das Leben eines Menschen oder einer Familie öffnet. man erhält die Gelegenheit, ein wenig in den Hausflur zu lunzen, vielleicht einen ersten Eindruck zu bekommen, wie es sich da wohl so lebt. Ähnlich einem Spaziergang in den Abendstunden, wo erleuchtete Fenster kleine Geschichten erzählen. Man ist aber natürlich weit entfernt von einer Hausführung oder gar den Räumlichkeiten, in denen die Schmutzwäsche lagert.

Aber aus der Sicherheit der Leichtigkeit dieser Tage heraus, darf ich dir sagen, liebe U., und auch allen anderen:

ehrlicherweise….

ist das einzige Happy End, das manche Tage offenbaren, die Gnade, dass auch sie vorüber gehen und die Hoffnung, dass in der heraufziehenden Nacht ein neuer Anfang verborgen liegt.

gibt es Stunden, in denen ich die ganze Sippe auf den Mond schießen könnte

und Nächte, in denen die Angst mich übermannt

siegt manchmal das Versagen auf allen Ebenen

gibt es Narben, die wohl erst in der Ewigkeit heilen und die manchmal ganz schön schmerzen

habe ich Scherben verursacht, die ich beim besten Willen nicht mehr kitten kann

fühle ich mich immer wieder, als sei ich wieder sechzehn, unbeholfen und unsicher in meinem Reden und Handeln

stapeln sich neben dem hübschen Teller Zimtschnecken Berge an schmutzigen Schüsseln und klebrigem Besteck

wohnen Fragen und Zweifel in meinem Herzen, auf die ich keine Antwort weiß und mit denen ich wohl alt werden werde

bin ich ein Flickwerk aus Emotionen und Erinnerungen, aus Zerbrochenem und Gelungenem, aus Angst und aus Hoffnung. Das merkt man.

ist Familie und Erziehung  immer wieder „try and error“, eine Herausforderung und oft genug auch schmerzliche Grenzerfahrung

kann man auch unter vielen Menschen einsam sein

weiß ich mir manchmal, also hin und wieder, öfter vielleicht, hmm also in schöner Regelmäßigkeit absolut keinen Rat

ist eine Packung Schokokekse und ein Glas Wein durchaus eine Lösung für scheinbar Unlösbares. Manchmal zumindest. Für den Anfang.

So ist das bei mir. Und ich schätze mal, bei allen anderen auch.

Und trotzdem wünsche ich mir das Happy End, will ich, dass letztlich immer Liebe, Dankbarkeit und Gottvertrauen die Oberhand behalten. Schreibe ich das Gute und lege den Focus auf das Schöne, nicht um zu gefallen, sondern um mich selbst immer wieder daran zu erinnern. Ich will mich erinnern, jeden Tag, dass die Schönheit des Lebens und das Glück des Augenblicks mitten in diesem ganzen, großen Gewurschtel zu finden ist.

 

In der Fülle

Schreibst du enthusiastische Blogposts über die wunderbare Erfindung des Muttertages in all seiner Herrlichkeit, dann musst du diesen Tag natürlich auch aushalten- in all seiner Herrlichkeit. Keine Sorge, ich bleibe dabei: Muttertag ist großartig.  In diesem Jahr war er besonders großartig, denn er offenbarte die ganze Fülle, die dem Mutter- Sein zu eigen ist und die ich ja unbedingt an diesem Tag gewürdigt wissen wollte.

Natürlich wurde ich ordnungsgemäß und wie es sich gehört schon im Bett mit Geschenken überhäuft (sogar die bunte Holzperlenkette fand sich wieder…), so dass es die reine Freude war- nur ein kleiner Wichtel stand da und hatte kein Geschenkchen. Und er konnte wirklich rein gar nichts dafür. Das Drama nahm an Fahrt auf, Tränen flossen und die reinste Verzweiflung einer Kinderseele brach sich Bann. Da kannst du fünfzig mal versichern, das dies doch gar nicht schlimm sei, ehrlich, „du bist mir doch das größte Geschenk“- denn für diesen kleinen Menschen war es die reinste Katastrophe, als einziger ohne Geschenk für seine Mama dazustehen. Die Verzweiflung hielt sich den ganzen Vormittag, ich verkrümelte mich alleine in die Kirche, während eine große Schwester sich erbarmte und den Farbkasten rausholte. P1060536

Während ich mich noch am selbst gepinselten Bild erfreute, der Gatte sich an die Zubereitung des Lieblingsessens machte und die Sonntagsstimmung überlegte ins Haus zurückzukehren, verunglückte der kleine Pechvogel mit einem Rollbrett so heftig, dass es uns gerade noch möglich war, den Backofen auszuschalten und der verbleibenden Schar ein paar Anweisungen zuzubrüllen, während wir uns mit dem schockstarren Kind und seiner verdutzten Schwester auf den Weg ins Krankenhaus machten. Natürlich passiert so etwas immer sonntags, das ist ja klar, das begreifen ja schon Anfänger. Die Damen und Herren in der Notaufnahme waren sehr nett, sie versorgten uns mit beruhigenden Worten, einer gutgesetzten Naht am aufgeplatzten Kinn, einer ausreichenden Menge an Schokolade und einem Vorrat an Klammerpflastern. Aus dem kleinen Unglücksraben wurde umgehend ein tapferer Held, der zwar noch etwas grün im Gesicht, aber mit Stolz gerecktem Kinn nach Hause zurückkehrte.

Der Gatte und ich waren auch grünlich im Gesicht, der Schreck saß uns echt in den Gliedern. Gegen Abend versuchte der unbeirrbare Mann sich wieder an der Zubereitung des Lieblingsessen, aber mittlerweile war aus einer wagen Ahnung Gewissheit geworden: wir hatten wirklich alle den Magen- Darm Infekt unseres Ältesten geerbt, saßen mit angeekeltem, schon wieder oder immer noch grünem Gesicht und schmerzenden Gliedern vor vollgefüllten Tellern und verschmähten das liebevoll zubereitete Festtagsessen. Das war`s. Der Rest ist Kamillentee. Der Tag und ja, hmmm, auch die darauffolgende Nacht, bot alles, was das Leben spannend, lustig und interessant macht. Liebe und Küsse, Drama und Tränen, Schmerzen und Spannung, Scheitern und Gelingen, Trost und Verzweiflung, kitschig pink und grün-grau. Die ganze Bandbreite, das Leben in Fülle- da war es. Und wollte genauso gefeiert werden. Dem Himmel sei Dank verfügt diese Familie über einen großen Vorrat an Humor. Der ist unabdingbar, wenn du auch diese Tage feiern willst. Und vergessen werden wir diesen Muttertag natürlich nie, allein die Narbe am Kinn unseres Sohnes wird uns erinnern.

Die ganze verbleibende Woche durften wir von dieser Fülle kosten. Ein gespenstisch ruhiger Montag auf der Couch, alle krank, alle müde, alle erschöpft. Sogar die Sonne hatte sich verzogen und Regen prasselte gegen die Scheibe. Nach und nach kehrten wir zurück ins Alltagsleben, schön nacheinander, nur nichts überstürzen.

Und dann wurde doch noch gefeiert. Den Frühling im Kindergarten, die allerletzten Klassenarbeiten für dieses Schuljahr, Spielbesuch, Mittagsgäste und Frühstück mit Freundinnen, sogar an die rechtzeitige Freischaltung für die Schulbuchausleihe habe ich gedacht und selbst das Passwort vom letzten Jahr fiel mir wieder ein- das ist wirklich feierwürdig. Hochgefühle und Sonnenschein, dazwischen normales Alltagseinerlei.

Dann bekam der Gatte grässliche Zahnschmerzen, die ihm den Schlaf raubten und dafür sorgten, dass er um ein Haar seine eigene Beförderung verpasst hätte, die man in Rheinland- Pfalz dummerweise nur an diesem einen Tag des Jahres erlangen kann. Drama, überstürzte Autofahrten, Herzrasen und laute Verwünschungen- uff, gerade nochmals gutgegangen. Erschlagen von all der Aufregung sank der Gatte auf der Gartenbank nieder, während ich aus den Tiefen des Kellers noch eine Flasche Sekt fischte. Wir stießen an, auf dieses Leben in all seiner verrückten Pracht, das uns manchmal um die Ohren pfeift, dass es nur so saust, das uns in all seinem Reichtum geschenkt wurde und uns manchmal etwas atemlos zurücklässt. Sonntag Regen, Montag Sonnenschein. Up an down. Knäckebrot und Käsekuchen, Sekt und Selters. Das Leben in Fülle- da ist es.

Heute scheint mal wieder die Sonne, meine geliebten Rosen wuchern, dass es eine Freude ist. Unfassbarer Weise sprießen aus den eingepflanzten Kürbiskernen wirklich grüne Pflänzchen. Kindergezanke dringt an mein Ohr und irgendwo knallt eine Tür. Wer weiß, was der Tag noch bringen mag? Ich hoffe, du kannst ihn genießen, in all seiner Pracht und Herrlichkeit.

10 Dinge- mamas edition

 

Gerade habe ich eine weiße Klebstoffspur entfernt. Sie verlief zwischen Esstisch und Wohnzimmertisch quer über den Parkettboden und endete in einem breiten, weißen Kleistersee, in gefährlicher Nähe zum immer noch als neu geltenden Sofa. Beunruhigender als die Putzarbeit fand ich die Frage, nach dem Verbleib der Heißklebepistole samt größerer Mengen an Nachfüllpatronen. Die Zeichen mehren sich in eindeutige Richtung, jeder Wollfaden, jede tintenverschmierte Kinderhand und jeder klebrige Stoffrest erzählt die selbe Geschichte: es will wieder Muttertag werden. Natürlich müsste ich mich jetzt beeilen und ganz schnell versichern, wie grässlich solcherlei Tage sind, dass wir einander und insbesondere allen Müttern jeden Tag Danke sagen sollen, nicht an irgendeinem von außen Bestimmten, quasi auf Kommando und wie verachtenswert solch völlig unangebrachter Konsumterror ist. All diese Einwände sind ganz nachvollziehbare Gründe gegen die Begehung des Muttertages und zugegebenermaßen gruselt mich die „Fleurop“- Werbung und ähnliche Attacken großer Kaufhausketten auch ganz ordentlich. Aber was nützt es- ich liebe ihn einfach, den Muttertag! Da kann ich gar nichts gegen machen, ich freue mich einfach drauf. Und hier kommen meine zehn Gründe, warum ich absoluter Muttertags-Fan bin und ihn mir auch in diesem Jahr auf gar keinen Fall entgehen lassen werde:

  1. Ich bin so unfassbar gerne Mama. Ich bin glücklich, die Mutter meiner Kinder sein zu dürfen, dass sie mir anvertraut wurden und ich ihnen beim Wachsen und Werden zur Seite stehen darf. Und ich sehe den Muttertag als eine fantastische Gelegenheit, dieses Mama -Sein zu feiern! Denn es ist ein Geschenk, Mama sein zu dürfen, keine Selbstverständlichkeit. Wie viele Frauen hoffen und warten vergebens, wie viele Sternenkinder mussten sich zu früh verabschieden, wie viel Not, Trauer und Leid gibt es in viel zu vielen Frauenherzen. Also ja, ich habe allen Grund zum Feiern, schon allein um meiner eigenen Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen.
  2. Ich bekomme wahnsinnig gerne Geschenke. Da spricht jetzt leider nicht die wahre Bescheidenheit aus mir, aber Geschenke- immer her damit! Allerdings bevorzuge ich tatsächlich die Selbstgebastelten, Selbstgeklebten oder Selbstgeschriebenen. Egal, wie krumm und schief- hauptsache mit Herz. Und hey, wann hast du denn je wieder die Gelegenheit mit einer gigantischen, selbstgefädelten Holzperlenkette um den Hals herumzuspazieren?!  An einem Sonntag? Am besten in allen Farben des Regenbogens?! Oder einem gigantischen Tonherz an einem Lederband? Nie gab es bessere und buntere Gründe sich von allen falschen Schamgefühlen zu verabschieden.
  3. Mit der Geburt meines ersten Kindes hatte ich das Gefühl, komplett in alle Einzelteile zu zerfallen, um dann ganz neu zusammengebaut zu werden. Meine Sicht der Welt, meine Gefühlslagen, die Intensität meiner Liebe und die Intensität meiner Ängste, die Aufgabe eines nicht unwesentlichen Teiles meines eigenen Egos- plötzlich hielt ich nicht nur einen niegelnagelneuen Menschen in meinen Armen, sondern war selbst einer geworden. Muttertag ist also ein klein wenig wie Geburtstag.P1060441
  4. Ich mache meinen Kindern eine Riesenfreude, wenn sie mir eine Freude machen können. Oder wie meine Tochter neulich meinte: „Ich kann mich gar nicht entscheiden, was ich besser finde- schenken oder etwas geschenkt zu bekommen. Ist beides so schön!“ Also erfreuen wir uns gegenseitig und die Freude wächst.
  5. Wie nahezu alle anderen Mamas, die ich kenne auch, verbringe ich sehr viel Zeit mit Zaudern und Hadern. Ich sehe wohl, was ich alles nicht schaffe, was mir schief gegangen ist und wo es hakt. Und nicht selten fürchte ich gar Schlimmes für meine Kinder, die mit so einer Mutter durchs Leben gehen müssen. Ist ja auch so- es geht öfter mal was schief, mein Vorrat an Geduld ist begrenzt, ich habe ein Schlafdefizit von mehreren tausend Stunden angehäuft, neige zur Vergesslichkeit und bin manchmal durchaus ratlos. Aber! Morgen ist eine hervorragende Gelegenheit mir mal selbst ordentlich auf die Schulter zu klopfen! Häufig geht es nämlich auch nicht schief, habe ich das richtige Wort gefunden und war am Boden meines Herzens doch noch ein Restchen Geduld. An die meisten Sachen denke ich und es ist auch noch keiner verhungert oder ohne Kleidung aus dem Haus. Wenn das mal kein Erfolg ist!
  6. Mit dem Muttertag kannst du die Buntheit und die Vielfalt des Lebens feiern, er zeigt uns, auf wie viele verschiedene Weisen wir Mütter und Familie sein können. Ich allein bin Bubenmama und Mädchenmama, Kleinkindmama und Fussballmama, Teeniemama und Superheldenfanmama, Zwillingsmama und Schulkindermama usw usw. Was auch immer kommt, mein Geist bleibt flexibel, soviel ist sicher. Darauf ein prosit!
  7. Ein Tag um die Liebe zu feiern! Die Liebe in unseren Familien, die Liebe, die diese Kinder ermöglicht hat, die Liebe du schenkst und die Liebe, die du bekommst!
  8. Was wüsste ich alles nicht, wenn ich keine Mama wäre! Mit wie wenig Schlaf kann ein Mensch überleben? Wie überaus kostbar sind Zeit, Geduld und Nerven und wie gänzlich überbewertet High Heels, stramme Bauchmuskeln und ein aufgeräumter Hausflur. Ich kenne die Bundesligatabelle und alle Lieder der Kelly Familie. Mit den avengers stehe ich auf Du und Du und die Namen wirklich aller Paw Petrol Mitglieder gehen mir flüssig über die Lippen. Ohne zu Zögern kann ich wieder das große Einmaleins aufsagen und jederzeit fünf Fakten über den Nutria zum Besten geben. Ich kann Gemüse schmuggeln, dass jeder anständige Dopingdealer vor Neid erblasst und verfüge über diplomatische Fähigkeiten, die, falls meine Zeit es irgendwann ermöglichen sollte, uns dem Weltfrieden ein gutes Stück näher bringen wird.
  9. Am Muttertag gibt es mein Lieblingsessen.
  10. Ich feiere das Leben, das in allem Wachsen und Werden, im Großziehen und Gestalten, im Erziehen, im Scheitern, im Loslassen und in der Familie steckt. Das ist die Schöpfung und sie ist großartig!

Frohen Muttertag euch allen!

Vom Erben und dem Leben in Fülle

Eines unserer Kinder klagt schon seit einem zu langen Weilchen über Ohrenschmerzen und so unternahmen wir dieser Tage eine Expedition zum Ohrenarzt um diese lästigen Beschwerden mal ordentlich abklären zu lassen. Wenn schulpflichtige Kinder einen Facharzt aufsuchen, dann müssen sie das am Nachmittag tun und das bedeutet, dass auch alle nicht schulpflichtigen Kinder und der ganze Rest mit zum Termin müssen- sonst bräuchte man hinterher womöglich noch einen Notarzt und die Feuerwehr. Es war also eine echte Expedition, inklusive Verirren (der Arzt war plötzlicher und kafkaesker Weise einfach umgezogen), Tränen (kleinkinderseits), Schweiß (mütterlicherseits) und dem Verlust kostbarer Nervenbahnen (ebenfalls mütterlicherseits).

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Die Ohren wurden sachgemäß untersucht. Sie sind kerngesund. Dabei hatte das betroffene Kind noch im Wartezimmer bemerkt, dass es jetzt hoffentlich auch was an den Ohren habe- bei dem ganzen Theater. Der Arzt war so nett und untersuchte noch ein bisschen drumherum, vielleicht hatte er meinen entgeisterten Gesichtsausdruck bemerkt. Nein, es gebe kein Ohrenproblem, aber es gebe ein Kieferproblem. Wir sollten den Zahnarzt aufsuchen, denn das Kind bräuchte dringend eine Beißschiene.

Der Gatte, der mir direkt von der Arbeit zu Hilfe geeilt war, stöhnte im Auto auf: „Du bist echt das Kind deiner Mutter!“. Nun, wo er Recht hat, da hat er Recht (wirklich du müsstest mich sehen, wie ich mich abends zum Schlafen lege, mit meiner Schlafbrille, den Ohrstöpseln und meiner Beißschiene…. wegen des Backenzahnes, den ich mir zähneknirschender Weise gespalten habe…klägliche Versuche die bunte Welt wenigstens für ein paar Stunden aus meinem Hirn auszusperren…) Also, wo er Recht hat, da hat er Recht, aber es gäbe doch wirklich Netteres, was man den eigenen Kindern gerne vererben würde, an Stelle eines Hanges zum Überangespanntsein.

Und so überlegte ich nun, welche Erbstücke meiner Wesensart ich meinen Kindern gerne weiterschenken würde. Natürlich weiß ich von der absoluten Einzigartigkeit eines jeden Individuums, also Zeigefinger ganz schnell wieder runter, aber als Mama von fünf dieser einzigartigen Individuen darf ich feststellen, dass es nun mal Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen gibt. Was dann daraus wird, steht ja wieder auf einem ganz anderen Blatt. Jetzt ist es nur so, dass mir auf Anhieb etwa fünf Dutzend meiner Persönlichkeitsmerkmale einfallen, von denen ich schwer hoffe, dass sie meinen Kindern erspart bleiben mögen, ganze Listen könnte ich darüber anlegen. Auf der Suche nach brauchbaren Erbstücken muss man sich selbst mit liebevollem Blick und dem Lächeln des Wohlwollens betrachten- boah und das ist echt schwer.

Mein offenes, weiches Herz, dass dürfen sie gerne erben, auch wenn es das Leben nicht unbedingt einfacher macht.  Aber lieber sollen auch sie immer das Beste von den Menschen annehmen, als misstrauisch und argwöhnisch zu sein. Lieber zu durchlässig als zu verstockt.image

Über mich selbst lachen zu können, über meine Schusseligkeiten und Macken, über das, was ich eben einfach nicht kann, schenke ich sehr gerne weiter- das entspannt das Leben ungeheuer und macht es auch lustiger.

Die Freude am Wort und die Lust am Kreativ sein. Ausgeprägte Empathie und eine wirkliche Neugier auf andere Menschen. Aus vollem Herzen lieben zu können, lachen und weinen. Fleiß und Fürsorge. Und das große Glück in den kleinen Dingen zu sehen. Die Bereitschaft um Verzeihung zu bitten, oh und jede Menge Phantasie. Na also bitte, die Erbmasse ist doch ganz ordentlich. Und der Gatte steuert ja auch noch etwas bei. Sie stehen nicht nur mit verkrampften Kiefern und zusammengebissenen Zähnen da, die lieben Kleinen, Gott sei Dank.

Und wo ich schon aus allen Ecken meine eigene Großartigkeit zusammensuchte, da unterstützte ich meine Bemühungen mit diesem wunderhübschen Print, den man sich freundlicherweise auf mamaabba runterladen kann. Der hängt nun am Kühlschrank und erinnert mich daran, dass ich durchaus Gutes weitergeben kann. Ein paar Stunden nach dem Aufhängen wurde das Bild ergänzt. Ich sehe es als positives Zeichen…

Unterstützung gibt es gerade auch vom Leben selbst, dass sich in seiner ganzen Fülle offenbart, das blüht und grünt und duftet, dass es eine wahre Freude ist, überbordend und gewaltig in seiner Farbpracht nach der langen Winterruhe. Es erinnert dich an die Großartigkeit der Schöpfung und welch unverschämtes Glück es doch ist, ein Teil davon sein zu dürfen, an diesem Ort, mit diesen Menschen um dich herum. Es schenkt uns Abendspaziergänge und frischgebackenen Kirschkuchen auf der Terrasse.P1060416

Meinen neuen Lieblingstee und Vorlesen in der Hängematte.P1060412

Die Lust am Selbermachen blüht, wie der Flieder in all seinen Tönen, der Gatte lässt sich von seiner neunjährigen Tochter das Gitarre-Spielen beibringen, die dank eines neuen Lehrers endlich wieder Freude am Instrument gefunden hat. Der Gatte geht unter der Woche einer durchaus anspruchsvollen Tätigkeit nach. Gitarrenunterricht bei seiner kleinen Tochter zu nehmen, ohne jeden Dünkel, ist eine der Trilliarden Gründe, wegen denen er mein Lieblingsmann ist- diese Eigenschaft darf herzlich gerne weitervererben.

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Jeden Morgen sehr ich meine Kinder auf die Räder steigen und in den frischen, blanken Morgen radeln, fröhlich und gutgelaunt, trotz der frühen Stunde. Dieser Anblick hinterlässt Aufbruchstimmung und Neugier auf den Tag, Hoffnung und ein Lächeln auf meinem Gesicht.  Natürlich ist nicht immer alles rosig, natürlich gibt es verspannte Kieferknochen und zusammengebissene Zähne, zu durchlässige Herzen und sorgenvolle Gedanken. Denn es ist ja das Leben in Fülle. Großartig, oder?!

 

Verborgene Welten

Vor einigen Wochen waren der Gatte und ich abends auf der Suche nach medialer Unterhaltung, was sich recht schwierig gestaltete, denn es sollte kurz vorm Schlafengehen bitte ohne Mord, Gemetzel, psychotischen Ermittlern und halbabgedunkelten, düsteren Großstadtszenerien sein (ich bin da ein wenig dünnhäutig von Zeit zu Zeit).

Hängen blieben wir schließlich bei Netflix und einer Reihe, die den Namen „brain game“ trägt. Lustige Sendung von der BBC, man darf als Zuschauer Spielchen mitspielen und sich wundern, was dabei herauskommt. Unsere Folge war zum Thema „Farben“ und wir hatten echt Spaß. Plötzlich gab es eine kleine Mitmach-Aktion, bei dem uns beiden zeitgleich die Kinnlade runterklappte. Fassungslos schüttelte ich den Kopf, der Gatte neben mir rief: „Das gibt es doch gar nicht!“. Am nächsten Abend saßen wir wieder vor dem Fernseher, dieses Mal mit unseren drei Großen. Selbe Sendung, lustige Mitmach-Spielchen, die Kinder amüsierten sich und dann das besagte Spiel vom Vorabend. Unsere Kinder erstarrten nahezu zeitgleich, dann ein dreifaches „hä!!??“ und kriegten sich hinterher kaum noch ein. Willst du wissen warum?

In der Sendung wurde eine gelbe Blume gezeigt, ein bisschen wie Löwenzahn, wächst in jedem ordentlich unordentlichen Garten, hübsch anzusehen, gelb eben. Alle schauen sich brav die Blume an. Und dann siehst du die selbe Blume, aus der Sicht einer Biene. Und das ist der absolute Hammer. Die Blume ist nur für uns Menschen gelb. Die Biene guckt irgendwie infrarot und sieht eine bunte Blume. In der Mitte, also da wo die Biene den Nektar finden soll, ist sie sogar qietschlila, ein farbiges Hinweisschild sozusagen. Die Blume ist vieles, aber nicht ausschließlich gelb. Innerlich ging ich wiedermal in die Knie vor der Genialität der Schöpfung. Und uns allen ging an diesem Abend ein gewaltiges Licht auf: die Welt, so wie wir sie sehen, ist nur eine von vielen.

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Die Welt der Biene ist genauso real und sieht doch ganz anders aus. Könntest du einen Hund fragen, so würde er dir Stein und Bein schwören, dass es so etwas wie Farben gar nicht gibt. Er sieht nämlich nur schwarz-weiß. Irre, oder?

Seit her frage ich mich ja ständig, bei jedem Gewächs und jedem Gesträuch, ob das nun wirklich so aussieht oder doch vielleicht ganz anders?

Auch wenn ich mir ganz viel Mühe gebe, so kann ich die Welt doch nicht mit den Augen einer Biene sehen. Aber zu wissen, dass es eben auch eine andere Ansicht der Dinge gibt, und dass diese nicht weniger richtig ist, als meine eigene, flößt mir eine Menge Respekt ein.

Und ich denke mir, dass ich gar nicht weit gehen muss, um auf andere Weltsichten zu stoßen, die genauso da sind und irgendwie auch genauso wahr sind, wie meine eigene. Nur bis zu meinem allernächsten Mitmenschen, schwups: eine andersfarbige Welt und doch nicht weniger real. Da kommt in unserem Haushalt ein hübsches Sümmchen an Weltenfarben zusammen und die Welt in den Augen eines Vierjährigen sieht ganz anders aus, als die der vorpubertären beinahe Teenies und wieder anders als die einer vierzigjährigen Frau. Die Introvertierte sieht die Welt anders als der Extrovertierte, die Nachtigall anders als die Lerche.

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Zugegebenermaßen finde ich die Weltsicht meiner Kinder manchmal ganz schön rätselhaft, ich gerate häufiger mal in Missverständnisse oder kuriose Situationen und je älter sie werden, desto schwieriger wird es und oft genug suche ich nach dem richtigen Schlüssel. Plötzlich sind Dinge peinlich, ohne ersichtlichen Grund. Manche Dinge sind total unfair, warum auch immer. Manchmal muss jemand müde und traurig sein, ohne äußeren Anlass, obwohl draußen die Sonne scheint. Ein Essen, das gestern noch schmeckte, kann man heute nicht mehr essen. Warum darf man nicht mehr mit Freunden telefonieren, sondern nur Nachrichten schreiben? Wieso ist das eine T-Shirt tragbar und das andere nicht? Warum ist etwas in einer Sekunde lustig und in der anderen eine Kränkung? Und wieso ist Schmutz und Unordnung in ihren Augen unsichtbar?

Und mir dämmert: wir können immer nur versuchen zu verstehen, wie ein anderer die Welt sieht, aber genauso sehen können wir sie eben nicht. Biene bleibt Biene, Mensch bleibt Mensch und in meinem Fall bleibt Sandra eben Sandra. Zu wissen, dass meine Sicht der Welt nicht das Maß aller Dinge ist, ist ja schon mal eine hilfreiche Erkenntnis, es entlastet und erklärt so manches. Und auch wenn mir manches rätselhaft, fremd oder nicht nachfühlbar erscheint, so will ich es doch so weit wie möglich respektieren, kann ich  immer freundlich rüber winken, einen Gruß schicken und sagen: ich bin für dich da, ich denke an dich und lasse dich nicht allein. Ich muss gar nicht alles verstehen, alles begreifen, alles nachvollziehen. Jedes Wesen hat wohl ein Recht, auf seine eigene Rätselhaftigkeit, gerade auch die eigenen Kinder. Denn auch wenn ich die Welt nicht so sehe, wie du, so leben wir doch alle in ein und der Selben. Macht das Ganze ja auch spannend und unterhaltsam, in unserer kleinen Familienwelt und in der großen Welt drumherum.

Ich gehe jetzt, und pflanze ein paar Blümchen für die Bienen, ich vertraue darauf, dass es einen gibt, der alle Farben sieht und alle Facetten kennt.  Und backe bunte Kekse.

Die Zahlen einer Woche

Anzahl der…

  • zubereiteten Mahlzeiten: 14 (exklusive Frühstück), davon ohne Maulen von irgendeinem Beteiligten verzehrte Mahlzeiten: 3
  •  geschnittenen Fuß- und Fingernägel: 120
  • aus dem Schrank gefallener Salzpackungen im geöffneten Zustand: 2
  • geschlichteten Geschwisterstreitigkeiten: ca 372
  •  gebackenen Brote: 4
  •  gemachten Betten: 49
  • erhaltenen Küsse von Personen unter 18 Jahren: ca 827
  • überlebte tätliche Angriffe durch umherliegende Lego und Paw Petrol Figürchen: 57
  • abgehörter Lateinvokabeln: 35
  • unfreiwillig angehörter Bundesligaspiele: 2
  • aufgesammelter Wäschestücke mit definitiv fehlendem Wohlgeruch: 4 Körbe
  • Fahrten als Kindertransportunternehmen: 68
  • gekaufter und erschütternderweise auch verzehrter Lebensmittel: 1 Kofferraum voll
  • der Informationen darüber, dass ein Junge mit Namen E. fünf Jahre alt wird und man nun endlich zu dessen Party gehen möchte: 728912
  • Waschmaschinenladungen: 8
  • Aufwischen von umgeschütteten Gläsern während einer Mahlzeit: 12
  • unterdrückter Flüche: 8723
  • rausgerutschter Flüche: 14 (ungefähr)
  • verbrauchter Liter Milch: 10
  • getoasteter Toastscheiben: 40, davon verbrannt: 7
  • vorgelesener Bilderbücher: 21
  • gesungener „heile, heile Gänsje“: 18
  • geschmierter Pausenbrote: 25
  • gelaufener Treppenstufen: 1 Milliarde (schätzungsweise)
  • Tassen mit frisch gekochtem Tee: 54, davon tatsächlich getrunken: 25
  • Segenswünsche: nicht zählbar
  • der Diskussionen, was unter „T-Shirt-Wetter“ zu verstehen ist: 375
  • der Diskussionen, wann man von „Poolwetter“ sprechen kann: 213
  • geschriebener Worte: ca 300
  • gedachter, kluger und witziger Worte, die aus Zeitmangel nicht aufgeschrieben werden konnten und damit der Menschheit tragischerweise für immer verloren gehen: 320000
  • Ermahnungen der Art „Hände hoch, Ellenbogen runter“, „Nicht schmatzen“ und „Gerade sitzen“: zu viele
  • geputzter Toiletten: 14
  • abgefragter Einmaleins -Reihen: 59
  • still auf dem Bänkchen gesessenen Minuten, um Sonne zu genießen: 85 (ha!!)
  • Selbstzweifel an mütterlichen Fähigkeiten: 2615
  • Fahrten um vergessene Fahrradschlüssel hinterherzutragen: 6
  • tröstender Worte: 1718 (schätzungsweise)
  • Umarmungen ca 2000
  • Anzahl der korrigierten Rechtschreibfehler (exklusive meiner eigenen): gefühlte 2 Millionen

Hmm. Bei Licht betrachtet sind diese Zahlen nicht besonders spektakulär. Zwischen diesen Zahlen tobt das pralle Leben. Und das ist schon ziemlich spektakulär, finde ich.