Zehn Dinge 2

Nach einer Idee von Veronika Smoor

Heute Morgen habe ich einen Rüffel vom Papst bekommen. Nein, er hat mich natürlich nicht persönlich angerufen, ich habe den Rüffel aber höchstselbst aus der Zeitung entgegengenommen. Dort stand nämlich zu lesen, dass der Hl Vater an der Tür zu seiner Unterkunft ein Klage und Jammerverbot anbringen ließ. Lamentieren und Nölen, insbesondere in der Gegenwart von Kindern, sei nicht erwünscht und begrenze den Menschen nur, anstatt ihn Lösungen finden zu lassen. Ich bin mir tatsächlich sicher- der Rüffel gilt nicht nur Kurienkardinälen, die auf eine Runde gepflegte Pienserei beim Chef vorbeischauen wollen. Nein, nein- ich fühlte mich, den Müslilöffel noch in der Hand, auf frischester Tat ertappt. Seit Tagen leide ich unter akuter Jammeritis und das trotz der ersehnten Sommerferien und (mal abgesehen von Grasmilben und einem rätselhaften Handausschlag) stabiler familiärer Gesundheit. Der Sommerflow im Herzen will sich einfach nicht einstellen, das Wetter nervt mich, wenn das Außen ruhiger wird, dann wird das Innen lauter und ich will es nicht immer hören. Müdigkeit bricht sich Bahn, statt des erhofften Tatendrangs. Außerdem fürchte ich, dass eine Dynastie von Fliegen bald die Alleinherrschaft in unserem Haus übernehmen will, aus heiterem Himmel plumpsen sie in den Tee oder in den Guß vom Schokokuchen, sie sind wirklich zu allem bereit. Naja, alles in allem also Jammern auf höchstem Niveau und sogar der Papst scheint es zu wissen. Höchste Zeit sich am Schlappen zu reißen und damit aufzuhören, sich den Sommer selber zu vergällen, nur weil der nicht so freundlich ist, sich meinen Idealvorstellungen anzupassen. Höchste Zeit also, um mal wieder auf die zehn Dinge zu schauen, die mich in der letzten Woche getragen haben, die schön waren, die gelungen sind. And here we go:

1. Ein Abendessen mit meinen Kindern in den Weinbergen. Rucksack auf, Brezeln, Käsewürfel, Würstchen und ein wenig Wein (für mich, nicht für die Kinder) hinein, ein halbstündiger Marsch bergauf und die Aussicht aufs Paradies genießen. Manchmal ist das Glück sehr simpel gestrickt.

2. Ein Sechsjähriger, der jetzt sieben ist. Die Geburtstage meiner Kinder stimmen mich immer ein bißchen sentimental, aber vor allem dankbar und froh. Und dieser wurde gefeiert, wie es sich gehört. Mit Ausflug zur Burg, Picknick und Schokoladenkuchen. Mit Besuch, Fußballspielen und Lagerfeuer. Perfekt.

image3. Das perfekte Geschenk zu diesem Anlass kam nicht von seinen Eltern, sondern von seinen beiden älteren Geschwistern. Ein Tischkicker, der funktioniert. Viel Arbeit steckt in diesem Geschenk, bestehend aus einem alten Umzugskarton, etwas Papier, Farbe und einigen Rundhölzern. Und viel Liebe. Perfekt eben.

4. Unser zwölfter Hochzeitstag, der zu wenig gefeiert wurde. Wir feiern ihn immer zu wenig, denn wir sind  so sehr mit Geburtstagfeiern beschäftigt. Aber zu wissen, dass man an diesem Tag, vor zwölf Jahren, genau die richtige Lebensentscheidung getroffen hat, und dass man sie genauso wieder treffen würde, ist wirklich toll, sehr beruhigend und legt nochmal eine große Schippe Dankbarkeit obenauf. Damals wie heute gilt: Ubi  caritas et amor ibi deus est.

image5. Ruhepausen. Hin und wieder ist es mir diese Woche gelungen. Und dann baumelten wir in der Hängematte. Oder ich lag im Liegestuhl. Sogar ein paar Seiten lesen war möglich. Ich ignorierte Unordnung und To do Listen. Der Unordnung und den Listen war es egal. Den Kindern auch. Also, was soll’s?

6. Gut, es war kein Poolwetter. Aber Zeit zum Werkeln und Basteln mit den lieben Kleinen. Jetzt ist der Jutebeutelvorrat wieder aufgestockt und ich habe endlich einen Stoffbeutel für unser Brot. Von kleinen Kinderhänden mit Korken handgestempelt. Ich hoffe, dass ist ethisch vertretbar.image

7. Jede Menge Besuch. Kinderbesuch. Die ursprüngliche Kinderzahl saß selten am Tisch. Aber ich freute mich darüber, dass unsere Kinder Freunde haben. Noch ein Schäufelchen Dankbarkeit. Und zum Helfen fand sich eigentlich auch immer eine kleine Hand.image

8. Himbeereis nach Linda Lomelino. Ohne Worte

image9. Dieses Buch, gefunden in der Bücherei. Das Vorgängerbuch über das Leben eines Wikingerjungen haben wir letzten Sommer vorgelesen und es wurde heiß geliebt. Die Bilder sind unglaublich eindrücklich. Gar nicht so einfach ein Buch zum Vorlesen zu finden, das mehrere Altersklassen gleichermaßen fesselt.

10. Ich darf packen. Das ist immer wieder Irrsinn. Aber: wer packen darf, der darf auch verreisen! Die Vorfreude steigt. Vor dem Abenteuer steht die Herausforderung des Zeugzusammensuchens für Sieben. Kann ich mittlerweile ganz gut. Deshalb dieses Jahr für Fortgeschrittene: sieben Menschen, zwei Wochen, ein Sharan, keine Dachbox (der Schlüssel war an meinem Schlüsselbund, den ich nun seit fast einem Jahr suche…) Also übe ich auch die Kunst des Weglassens. Getrost zu Hause bleiben dürfen: Windeln (hurra!), deutsche Funktionskleidung aller Art (wie gut, dass wir gar keine besitzen, ha!- alles richtig gemacht!), der Zwillingswagen (sie verfügen beide über ausgezeichnet funktionierende Beine und Füße, also bitte.  Für den Notfall hat der Gatte ausgezeichnet funktionierende Schultern), lange Hosen, warme Jacken, Strümpfe (das ist Italien!) und Essensvorräte (das ist Italien!!!). Irgendwie mit müssen: gefühlte drei Tonnen Buch, Kuscheltiere (pro Kind nur eins, das macht…), ein Fußball (unfasslich), die Hängematte (lässt sich auf Regencapegröße zusammenfalten und zählt damit gar nicht richtig). Ich bin sicher, dass wird. Bestimmt.

Na also, geht doch. Bin ich dem Hl Vater gerade nochmal aus dem kritischen Blick gehüpft. Und so bleibt nur noch, mich für die nächsten drei Wochen zu verabschieden, euch gesegnete, entspannte Sommertage und immer zehn Dinge im Blick zu wünschen. Ciao, ihr Lieben!

Ach Herr, schick mir ein Eichhörnchen…

Es gibt ja Tage, die gleichen einem einzigen Hindernislauf. Oder Langstreckenschwimmen im Haifischbecken. Nichts läuft rund, dafür fällt ständig etwas runter, es ist einfach verhext. Tage, wie geschaffen für Missverständnisse, Zank und wundgescheuerte Nerven. Für solche Tage brauchst du keine Kinder haben, es gibt sie mit 12 genauso wie mit 42 oder 84, weiß der Geier woran es liegt. Und ich meine natürlich nicht, die wirklich großen Lebenskatastrophen, sondern nur die kleinen Widrigkeiten, die dir um die Ohren pfeifen, gerade ätzend genug, um dir aufs schönste den Tag zu vergällen und dich an deinem Verstand zweifeln zu lassen. Vor vielen Jahren hatte ich genau so einen Tag. Ehrlich gesagt habe ich keinerlei Erinnerung daran, was genau mir da alles an Unbill widerfahren war, aber ich fuhr Auto und verzweifelte so vor mich hin. Und plötzlich hüpfte vor mir ein Eichhörnchen über die Straße, sprang auf den nächsten Gartenzaun, rüber zum nächsten Baumstamm und schwups- weg war es. Nun musst du wissen, dass der Anblick eines Eichhörnchens ganz wunderbare Auswirkungen auf mich hat. Mein Herz macht dann wirklich jedes mal einen Hüpfer vor Freude, ich kann nicht anders, als lachen, wenn ich diese possierlichen Tiere irgendwo entlang flitzen sehe. Meine Laune steigt unter Umständen von minus zehn auf sonnige 28 Grad, die Welt sieht direkt wieder freundlicher aus, Leichtigkeit zieht ins zerknitterte Gemüt. So war es auch an diesem Tag. Und ich dankte meinem Gott von Herzen, denn es fühlte sich wie ein himmlisches Augenzwinkern an und das war genau das, was ich brauchte.

Seit dem sind einige Jahre und diverse solcher Ätztage ins Land gezogen. Wenn es hart auf hart kommt, dann kannst du mich aus tiefster Seele seufzen hören: „Ach Herr, schick mir ein Eichhörnchen!“ Es ist nicht so, dass ich um schnelle Lösungen ersuche oder um Befreiung von Alltagssorgen und  dem gemütlichen Rundumpaket. Nein wirklich nicht, denn so ist es halt, das Leben- es hat Ecken und Kanten. Aber ich bitte um ein himmlisches Augenzwinkern, das meine Welt und vor allem meine Sicht auf dieselbe wieder gerade rückt. Es sagt:“wird schon alles gut werden, ich lass dich nicht allein, mein Mädchen. Und nun vergiss das Lächeln nicht!“  Erstaunlicherweise funktioniert es. Erstaunlicherweise sind mir an solchen Tagen schon sehr häufig Eichhörnchen über den Weg gelaufen und haben mir das Herz leicht gemacht (und nein, wir wohnen nicht im Wald!). Eichhörnchen sind mein persönlicher Regenbogen, wenn meine kleine Arche ins Schwanken gerät. Es ist nicht unbedingt gleich Land in Sicht, aber ich weiß….

Die letzte Woche hatte gleich mehrere solcher Nervtage in petto. Am Dienstag sah ich das Eichhörnchen. Am Mittwoch schwand die Zuversicht schon wieder merklich. Am Donnerstag  hatte ich Geburtstag. Und bekam

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von meiner wunderbaren Tochter! Ich habe mich so sehr gefreut. Über dieses Bild. Über die Mühe, die sie sich gemacht hat. Und über das himmlische Augenzwinkern, das fast schon so etwas, wie eine dicke, feste Umarmung war.

Und weil ich außer schönen Geschenken viele gute Wünsche bekam, kann ich getrost welche an euch weitergeben: ich wünsch euch ein Eichhörnchen, einen Regenbogen oder was auch immer euch strahlen lässt, zur rechten Zeit, wenn euch das Leben um die Ohren fliegt und kein Land in Sicht ist, ein kleines Augenzwinkern und etwas Leichtigkeit im Herzen…

Gesehen und berührt

Also, ich gehöre ja zu den Menschen, die richtige Heulbojen sind, nah am Wasser gebaut, nie um ein Tränchen verlegen, furchtbar rührselig. Dieses Phänomen hat sich dummerweise mit jedem weiteren Kind verstärkt und jetzt kann ich ohne Taschentücher keine Medallienverleihung anschauen- und sei sie noch so abstrus, Nationalhymnen sind auch ganz furchtbar, oder schöne Musik, wenn jemand etwas Nettes über meine Kinder sagt oder ein ansprechender Zeitungsartikel, schon öffnen sich die Schleusen. Die zweite Folge von „Anne with an e“ hat mich so beansprucht, dass ich erstmal eine Guckpause brauchte, manche Lieder im Chor, ein „Tatort“, in dem ein Kind verschwindet- vergiss es. Meine Familie weiß um diese nasse Macke und sieht freundlicherweise großzügig darüber hinweg. All das rührt mich irgendwie, irgendwie sogar zu Tränen, aber es berührt und erschüttert mich nicht wirklich (sonst müsste ich mir echt Sorgen machen!).

Am Abend des letzten Schultages ging ich ins Bett und fand darin mein persönliches Zeugnis- und das hat mich wirklich berührt, in meinen tiefsten Tiefen (da heule ich übrigens nicht, das findet irgendwo eine Etage tiefer statt) Und ich dachte daran, wie wichtig es ist, dass wir gesehen werden, von denen, die uns etwas bedeuten. Wieviel es uns bedeutet, dass wir wahrgenommen werden, so wie wir sind und in dem, was wir tun. Eine Bestätigung dieses Gedankens fand ich nur einen Tag später. Da fuhr ich mit meinem Zwillingsmädchen alleine zum Einkaufen. Eigentlich nichts aufregendes, aber ich mache das sonst nie. Still, stolz und strahlend thronte sie in ihrem Kindersitz neben mir. Ab und an streichelte sie meine Hand, die schaltete. Und mir wurde schlagartig klar: Oft sehe ich nur den Doppelpack. Es sind „die Zwillinge“. Das passiert schon deshalb, weil sie so unwahrscheinlich aneinander hängen. Aber es sind eben auch zwei einzelne Menschen. Und jeder will auch für sich wahrgenommen,gesehen und gewürdigt werden. imagePassend dazu lese ich gerade dieses Buch. Ich weiß, ich bin spät dran. Aber ich habe eben wirklich eine Abneigung gegen Ratgeber und dieser ist in gruseliges Deutsch übersetzt. Nichts desto trotz sind mir Teile davon so oft über die Füße gelaufen, dass ich das ganze Werk lesen wollte. Letztlich geht es wohl um nichts anderes, als um das gesehen werden, um das wahrnehmen und würdigen, in einer Ausdrucksform, die wir begreifen und verstehen können. Was nützt die schönste Würdigung, wenn ich sie gar nicht verstehe? Die Idee gefällt mir. Sie gefällt mir für den Gatten und mich als Ehepaar, das auch ganz unterschiedliche Liebessprachen spricht. Es gefällt mir für uns als ganze Familie und ich denke viel nach, über die Sprachen, der einzelnen Sippenmitglieder, ihre unterschiedlichen Dialekte. Ich möchte Sie gerne sprechen lernen, denn sie sollen wissen und verstehen, dass sie gesehen werden. Und geliebt, selbstverständlich. Das „Zeuknis“ war in meiner Liebessprache geschrieben. Es hat mich nicht gerührt, es hat mich berührt. Und dem Himmel sei Dank, glaube ich fest daran, dass es einen gibt, der uns alle wahrnimmt und würdigt und uns einfach liebt. Dich auch.

Endlich…

Endlich sind Ferien! Endlich!! Endlich, weil es ein langes Schuljahr war, voller Neuanfänge und Veränderungen. Voller Befürchtungen und Gelungenem.Viel wurde geschafft, vieles hat uns herausgefordert, nur selten mussten wir verzweifeln. Und jetzt sind endlich Ferien. Ich habe mich heute seitenweise durch Zeugnisse gelesen und pflichtschuldig meine Unterschrift unter alle gesetzt. Und meine Kinder geknuddelt, weil sie Tolles geleistet haben. Damit wäre der amtliche Teil erledigt, Haken dran und jetzt, endlich!!!, Ferien!image Gut, die Flut an Schuljahresendealtpapierheften ist noch nicht bewältigt (warum gibt es eigentlich keine Schulbücher mehr? Warum füllen Kinder Seite um Seite in Übungsheften aus und schmeißen sie dann weg?). Und wir warten noch darauf, dass der Gatte aus Berlin heimgeschwommen kommt. Aber ansonsten sind -endlich- Ferien. Für einen Moment dachte ich tatsächlich, es wäre eine guter Plan, sie so zu verbringen. imageZweieinhalb Minuten später war klar, dass ich so wohl eher so verbringe… imageUnd das ist toll. Ich wünsche allen,  und nicht zuletzt uns, schöne Ferien. Den Duft von Freiheit in der Nase, kein Zwang und kein Müssen. Zeit zum Spielen, gemeinsam und alleine, zum Garnichts tun, zum Kraft tanken und Quatsch machen, zum Hängematte schaukeln, Pool planschen und endlosem Lesen und und und…allem, was dich froh macht. Wir haben tatsächlich eine Liste eröffnet- ganz ohne jeden Anspruch auf komplette Umsetzung. Einfach, weil es schon unglaublich spaßig und erholsam ist, zu überlegen, was alles möglich wäre… imageWas steht auf eurer Liste?

Reich beschenkt

Das Tolle an vielen Geschwistern ist ja, dass man nie alleine ist, immer ist etwas los, das Haus voller Leben, Geschichten, Ansprache. Immer findet sich jemand zum Spielen, Streiten, Quatsch machen. Man läuft nicht in Gefahr, ein lästiges Zuviel elterlicher Aufmerksamkeit abzubekommen. Einer der wenigen Erziehungssätze, den ich wirklich schon ganz früh verinnerlichte und an dem ich immer festgehalten habe, lautet: „Das Kind sollte immer im Zentrum des Geschehens sein, aber es sollte nie Zentrum des Geschehens sein“ ( Anna Wahlgren). Hat man sich eine gewisse Anzahl an Kindern zugelegt, dann ergibt sich die Umsetzung dieses Satzes quasi von allein, denn für zuviel Aufhebens um den Einzelnen fehlt schlicht die Zeit. Das Blöde an vielen Geschwistern ist natürlich, dass man nie alleine ist, immer ist etwas los, das Haus voller Leben und man muss sich nicht nur das letzte Stück Pizza teilen (wenn man schnell genug ist…) sondern eben auch die elterliche Aufmerksamkeit, die man manchmal ja schon gerne hätte.

Vor zwei Jahren waren wir zum ersten Mal auf der Suche nach einem Erstkommuniongeschenk für unseren Ältesten. Etwas wirklich Wertvolles sollte es sein, etwas, was man nicht nach kurzer Zeit achtlos wegwirft, etwas mit Bedeutung, das den Anlass würdigt. Das Kostbarste, was wir unserem Kind schenken konnten, war Zeit. Ungeteilte Aufmerksamkeit, ein Abenteuer nur zu zweit. Und so packte der Gatte den Knaben ein und reiste mit ihm für drei Tage nach Berlin. Sie besuchten den Reichstag, rannten alle historischen Sehenswürdigkeiten ab und hatten noch genug Zeit für alle geschichtsträchtigen Museen, die mein Sohn so liebt. Noch heute erzählt er mit leuchtenden Augen von dieser Reise, die Erinnerung daran, an die Zeit allein mit dem Papa, als Schatz in seinem Herzen.image

Vor einigen Monaten waren wir wieder auf der Suche: ein Erstkommuniongeschenk für unser Mädchen. Und wieder kamen wir zum selben Schluss: das Wertvollste, was wir schenken können, ist Zeit. Glücklicherweise war ich dieses Mal an der Reihe mit dem Abenteuer zu zweit. Am Freitagmorgen bestiegen wir den Zug nach München und hatten dort eine ganz wunderbare Zeit. Mein großes Mädchen saugte alles auf, wie ein Schwamm: U-Bahn fahren und das Glockenspiel am Rathaus, der Hofgarten und ein Bummel über den Viktualienmarkt. Wir bestaunten die Köstlickeiten im Dallmeyer-Haus, zündeten eine Kerze in der Liebfrauenkirche an und erholten uns am Nachmittag im Englischen Garten. Sie genoß es mit mir ein Zimmer zu teilen und die improvisierten Mahlzeiten auf der Fensterbank des Hotelzimmers. Den Besuch im Augustinerbiergarten und natürlich den Höhepunkt: die Show der Moving Shadows im Cirkus Krone Bau ( unfasslich, zu was der menschliche Körper fähig ist-  nicht meiner, natürlich…). Randvoll mit Eindrücken reisten wir gestern nach Hause, müde, glücklich und zufrieden.

Dieses Geschenk war und ist aus vielerlei Gründen unendlich wertvoll. Die Zeit, nur Mama und Tochter, wird ihr keiner mehr nehmen können, es ist ein Schatz in ihrem Herzen. Und in meinem auch. Wer weiß, welche pubertären Stürme irgendwann an uns rütteln, dieser Schatz bleibt uns. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wertvoll ist es aber auch deshalb, weil es natürlich nicht nur eines finanziellen Aufwandes bedarf, sondern vor allem auch eines gigantischen, organisatorischen, um eine solche Reise zu ermöglichen. Um am Freitag alle Kinder unterzubringen und zu versorgen, brauchte es Patentante und Freunde. Um das Wochenende zu wuppen, brauchte es den Gatten in Höchstform. Der war nämlich nicht nur allein mit vier Kindern, sondern schaffte mit ihnen auch die Einweihung eines Rasenplatzes (inklusive Elfmeterschießen), den Besuch des Kindergartensommerfestes und das Fußballturnier des Erstklässers (vier Spiele an einem Nachmittag in sengender Hitze!). Er beruhigte die unwirschen Zwillinge, und kochte ein Abendessen für die müden Krieger. Sogar ein Filmabend mit Chips war für die Buben noch drin. Als ich gestern in ein aufgeräumtes Zuhause kam, war der Teig für das Faltenbrot schon gemacht und wir konnten gemeinsam direkt weiter- zum nächsten Sommerfest. Zur Belohnung durfte er seinen Sonntag in der Notaufnahme der Uniklinik beenden, denn der Erstklässler im Fußballfieber, wurde auf die letzten Meter noch am Bein verletzt. Es brauchte meinen Ältesten, der dem Papa tapfer zur Seite stand, unaufgefordert den Tisch zu den Mahlzeiten deckte und immer wieder die Zwillinge unterhielt.

Alle gemeinsam haben ihre Zeit geschenkt und uns dieses Wochenende möglich gemacht. Danke! Danke, für eine schöne Reise und glückliche Heimkehr. Das Kostbarste, was wir einander geben können, ist Zeit. Sie ist unbezahlbar.

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Und falls du dir Sorgen um das seelische Wohlergehen des Gatten machst: keine Bange! Wir haben ihm ein Bier mitgebracht. Und diese Woche fährt er drei Tage beruflich nach Berlin. Da kann er sich erholen, von der ganzen Sippe.

Verwundert – in aller Ruhe!

Verwundert habe ich festgestellt, dass ich in diesem Monat nun schon ein ganzes Jahr hier in meiner kleinen Ecke vor mich hin blogge und wie sehr mir dieses Eckchen doch ans Herz gewachsen ist. Nicht nur weil mir das Schreiben Freude bereitet und eine gewisse Reflexion des Alltags tatsächlich sehr gewinnbringend ist, das auch. Der eigentliche Gewinn sind die Menschen, die ich auf diese Weise- wenn natürlich auch nur virtuell und damit bruchstückhaft- kennenlernen durfte. Das ist doch ein Segen und ich freue mich wirklich sehr darüber! Denn ich lese ja auch so gerne die Blogs der anderen (man muss sich natürlich beschränken- wo käme ich da hin und der ganze 7geisslerische Hausstand gleich mit?!) und lasse mich gerne inspirieren und ermutigen. Also aus tiefer Seele: oh wie schön, dass ihr alle hier seid! Die Leser und die Schreiber und die schreibenden Leser und die lesenden Schreiber! Dankeschön!

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Verwundert habe ich auch festgestellt, dass aus den winzigen Samenkörnchen, die ich in der letzten Karwoche mit meinen Kommunionkindern eingepflanzt habe, auch tatsächlich echte Blumen geworden sind. Ich bin da ja immer sehr misstrauisch, habe eher zwei linke als zwei grüne Daumen und vielleicht bin ich auch manchmal einfach kleingläubig- man sieht da so lange gar nichts, wer weiß, ob da überhaupt etwas passiert und man kann so gar nichts dafür tun ( außer wässern natürlich, aber wieviel ist genug und was schon wieder zu wenig, echt ein bittres Geschäft für den eingefleischten Kontrollfreak). Fazit: aus dem Anschauungsbeispiel für Kinder wurde mal wieder ein Lehrstück für mich. Gerade in Sachen Glauben und Gottvertrauen. Und auch in Sachen Kindergroßziehen. Wir säen und wir wässern ein bißchen- der Rest…

Nicht wirklich verwundert hat mich mal wieder, wie schlau Kinder doch sind und wie sehr sie durchaus noch ein natürliches Gespür für ihre Bedürfnisse haben. Nun ist dieses Schuljahr fast vorüber und wir merken, was funktioniert hat und was nicht. Der kluge Erstklässler möchte eigentlich gar nicht direkt im Anschluß an die Schule Hausaufgaben machen, nur weil es in meinen kruden und strammen Zeitplan so festgeschrieben ist. Er ist dann nämlich müde und hungrig, da denkt es sich so schwer. Und ich renne wie der Watz zwischen Küche und Kind hin und her, damit Essen und Hausaufgaben fertig werden. Nebenbei zwei dauernölende, kindergartenmüde Kleinkinder, die Mama wollen und nur Zischen ernten. Nun macht der Erstklässler Hausaufgaben nach dem Essen, gemeinsam mit der großen Schwester. Wenn ein anderer neben dran  mitschuftet, ist alles gleich viel einfacher. Außerdem ist man satt und hat schon eine Stunde Fußball gespielt. Und ich lasse mir beim Kochen von den Kleinen helfen- so kann ich mich auch in aller Ruhe mit ihnen unterhalten. So lange hat dieses Puzzleteil im Familienleben garstig geklemmt und nun passt es.

Sehr verwundert bin ich darüber, dass ja schon bald Ferien sind und noch erstaunter darüber, dass wir dann auch in Urlaub fahren. Es ist ein bißchen, wie mit Weihnachten- man weiß es ja und ist dann doch überrumpelt. Also fertige ich langsam Listen an. Eine „was wollen wir in den Sommerferien zu Hause tun“ Liste, eine Packliste (fällt deutlich kürzer aus, als letztes Jahr, denn Italien ist doch etwas wetterbeständiger als Schweden), eine Leseliste…. ich glaube, im Listenschreiben liegt ja schon das halbe Vergnügen, es beruhigt so schön das Gemüt und steigert die Vorfreude.

So, jetzt aber genug der Wunderei. Ich gehe und mache etwas Ordentliches- Blumengießen zum Beispiel und den Toskanareiseführer suchen. Aber nicht vergessen: es ist so schön, dass ihr alle hier seid!

Einsichten am frühen Montagmorgen

Bin ich froh, dass Montag ist. Es gibt ja Wochenenden, die so anstrengend sind, dass man sich nach ein wenig gewöhnlichem Alltagseinerlei sehnt. Nicht nur das Wochenende, nein die ganze letzte Woche im Haus 7 Geisslein war bis an den Rand gefüllt mit Feiern und Emotionen, mit Suchen und nicht immer Finden, mit großen Aufs und kleinen Abs.

Während ich die letzten, poolfeuchten Handtücher zusammensammle und Chipskrümmel  aus den Sofaritzen sauge, sortiere ich die Einsichten der letzten Tage:

  1. Saubersein  ist doch ein äußerst dehnbarer Begriff. Keine Windel mehr zu tragen, heißt das nicht, dass schon alles in trockenen Tüchern ist-  nur weil es für ein paar Tage wunderbar funktionierte. Vielleicht bist du gerade zu müde, oder zu beschäftigt oder eben einfach wütend. Wenn du gerade sehr wütend bist, dann kann es passieren, dass du vor Zorn auf den Balkon pinkelst. Zorn verraucht manchmal erstaunlich schnell und dann ist dir die Pinkelei arg. Dem Himmel sei Dank, wenn man dann nicht alleine durchs Leben gehen muss, sondern immer einen Gefährten an seiner Seite hat. Zu zweit findet sich immer schnell eine Lösung. Man kann die Sauerei zum Beispiel mit viel Wasser beseitigen. Du brauchst nur zwei Zahnputzbecher und Wasser findest du in der Toilette, in der eigentlich…Wenn es zu viel Wasser ist, was schon vorkommen kann, denn du möchtest vielleicht gründlich sein, dann nimmst du einfach 25 Handtücher aus dem Wäscheschrank und verteilst sie überall. Wie gesagt, dass mit den trockenen Tüchern…hmmm.
  2. Einhörner sind ja der letzte Hit. Überall Einhörner, gehäkelt, gedruckt, auf Postkarten und neckischen Facebookeinträgen. Letzte Woche durften wir einem leibhaftigen begegnen  und es ist wahrlich weit weniger romantisch, als man es sich gemeinhin vorstellt. Dem Gatten wurde kurzzeitig leicht schlecht und ich wollte nur noch davonrennen und mich im Wald verstecken. Stattdessen haben wir uns am Riemen gerissen und das Einhorn, das vor seinem schweren Rollersturz noch ein ganz gewöhnlicher Erstklässler war, zum nächsten Arzt transportiert. Echt, was anatomisch alles möglich ist, ist irre. Als alle Schürfwunden versorgt und der Kopf untersucht war, konnten wir weiter Geburtstag feiern. Damit waren wir nämlich eigentlich gerade beschäftigt. Gestern wurde mir gesagt, dass Einhörner schon wieder passee sind. Flamingos sind jetzt die neuen Eulen.
  3. Der Gatte und ich sind nächsten Monat schon 12 Jahre verheiratet. Und das merkt man einfach. Wir sind ein eingespieltes Team und die Kommunikation klappt hervorragend. Ich bin sehr stolz auf uns und wie wir das alles managen. So hat er mich schon vor Wochen darüber informiert, dass er als Wahlleiter einer hier anstehenden Wahl einen ganzen Sonntag aus dem Haus sein müsse. Keine Frage, kein Problem. Auch ich informiere ihn immer umgehend über alle anstehenden Termine, ganz vorbildlich. Wie der Sonntag, an dem ich trotz Geburtstagsübernachtungsparty unserer Tochter ab 11.00 Uhr in der Kirche sein musste. Und am Nachmittag Getränke auf einem Konzert ausschenken sollte. Keine Frage, kein Problem. Vielleicht hätten wir ein Datum nennen sollen. Dann hätten wir gemerkt, dass das alles am selben Sonntag stattfinden sollte. An solch lächerlichen Feinabstimmungen werden wir dann die nächsten zwölf Jahre arbeiten.
  4. Kindergeburtstage für Neunjährige verlangen weniger von dir, als man vermuten könnte. Die gehen auch wirklich schon alle alleine aufs Klo und haben kein Interesse an mütterlicher Dauerbespaßung. Eine Fotorally, die sie alleine bewerkstelligen können, ein paar Fläschchen Nagellack als Überraschung auf den Kopfkissen, einen großen Bruder, der eine gigantische Wasserschlacht anzettelte, blechweise Pizza, ein netter Film mit ausreichend Verpflegung und zum Abschluss eine Fackelwanderung, die man dem Gatten überlässt. Um 00.30Uhr war Ruhe. Falls du aber vorhast, den zehn Kindern, die insgesamt in deinem Haus übernachtete haben, zum Frühstück Waffeln zu servieren (der einfachheitshalber, denn es ist ja Sonntag und du bist allein), dann solltest du sicherstellen, dass dein 35 Jahre altes Waffeleisen nicht ausgerechnet an diesem Morgen beschließt, zu sterben. Nicht, wenn du erst zehn Waffeln gebacken hast. Dem Himmel sei Dank gab es zum Geburtstag, die heißersehnte Cake Pop Maschine. Statt Waffelherzen gab es Waffelkugeln, kann man auch in Puderzucker wälzen, in Schokosirup ertränken oder in Nutella baden. Improvisation ist eben nicht das halbe sondern nahezu das ganze Leben.
  5. Mittlerweile bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass man sich Sommerferien mindestens genauso hart erarbeiten muss, wie Weihnachtsferien. Da führt schlicht kein Weg dran vorbei und es wird einem keine Wurst geschenkt. Allein in den nächsten zehn Tagen hätten wir das Sommerfest der Fußballer (sie grillen, bitte einen Salat mitbringen), das Sommerfest der 1. Klasse (sie grillen, bitte einen Salat mitbringen), das Sommerfest der 3. Klasse (sie grillen….), das Sommerfest der Turnerinnen (!!), das Sommerfest der 5. Klasse ( oh wurde wegen Terminknappheit vertagt- ist jetzt im September, sie grillen…), das Sommerfest der Messdiener (!!!). Wenn unsere Zwillinge dann auch irgendwann so weit sind, werde ich für den Monat, in dem es Ferien gibt, das Kochen gänzlich einstellen und die Kinder auf die Grillplätze der Umgebung schicken, falls sie überhaupt nochmal so etwas wie Hunger verspüren sollten- denn einer grillt immer.

Falls mich in den nächsten Tagen einer suchen sollte, dann sucht auf den einschlägigen Feierplätzen in der Umgebung. Oder in meinem Liegestuhl. Dort sitze ich dann und verdaue. Und freue mich auf die Ferien. Euch da draußen eine segensreiche, gute Woche!

26000

Manchmal läuft der Alltag über Monate seinen gleichförmigen Alltagsgang, mit kleinen Höhen und Tiefen, mittleren Katastrophen und netten Highlights. Scheinbar passiert nichts weltbewegendes. Manchmal purzeln die Ereignisse und die Meilensteine nur so durcheinander und man ist überwältigt davon, wieviel in den verborgenen Tiefen des Alltags eben doch  passiert.  So geschehen bei uns in den letzten Tagen und ich bin noch ein wenig atemlos. Wir sind nämlich sauber. Jetzt endlich alle, von einem Tag auf den anderen. Noch immer begreife ich nicht so richtig, wie Zwillinge ticken. Ganz verstehen werde ich es wohl auch nie, denn ich bin ja keiner. Aber auch diese entscheidende Veränderung in ihrem Leben haben sie gemeinsam beschlossen und von jetzt auf gleich in die Tat umgesetzt. Nun wirst du vielleicht müde lächelnd abwinken und sagen „Windelfreie Kinder, na und? So spannend ist das ja nun wahrlich nicht?!“ Recht hast du, wenn ich auch diesen besonderen Schritt in die Selbstständigkeit immer wieder beachtlich finde. Aber in diesem Falle ist es nicht nur ein Meilenstein in zweier Kinderleben. Nein, es ist ein gigantischer Meilenstein im Leben von uns als Eltern, der da überraschend vor uns aufragte. Der Gatte ließ es sich nicht nehmen, überschlug kurz die Bilanz der letzten elf Jahre und er kam auf stolze 26000. 26000 Windeln haben wir so ungefähr über den Daumen gepeilt (Magen-Darminfekte mal nicht mitgerechnet) in diesen Jahren ohne Unterlass gewechselt. Elf Jahre lang war ich zu jeder Zeit Mutter mindestens eines windeltragenden Kleinstkindes. Jetzt bin ich es nicht mehr. Das war am Freitag.

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Am Montagmorgen beschlossen die selben zwei kleinen Menschen, dass sie jetzt Fahrradfahren lernen wollten. Der Gatte sprach begütigend und vorausschauend darüber, wie lange es dauern kann, bis ein Mensch das Fahrradfahren beherrscht. Pustekuchen- am Montagabend sausten sie beide die Straße vor unserem Haus auf und ab, alleine. Gestern nutzte einer bereits die neue Selbstständigkeit und entkam samt Rad auf den nahegelegenen Spielplatz. Ich fürchte, nächste Woche machen sie den Führerschein und ziehen aus.

Meilensteine im Leben unserer Kinder entpuppen sich manchmal als Wegmarker in unserem eigenen Leben.Vor gut vier Jahren saß ich mit meinem dicken Babybauch auf dem Bänkchen vor unserem Haus. Es war Hochsommer, ich durfte mich nicht bewegen und bekam Besuch von drei lieben Freundinnen. Sie brachten mir zwei Rosenstöcke, weil sie wußten, wie sehr ich Rosen liebe. Und weil ich mich ja nicht bewegen durfte, pflanzten sie die beiden Stöcke auch gleich an der gewünschten Stelle ein. Der Boden war knochenhart, das Werkzeug mehr als unzureichend, die Aktion dauerte ewig, kostete die drei Damen viel Schweiß und noch mehr Lachtränen. Irgendwann waren die zwei unscheinbaren Stöckchen in der unwirtlichen Erde. Wenn ich heute zu meinem Auto will, dann gehe ich an einer Wand aus Rosen vorbei. Sie blühen so prächtig, dass ich aus dem Daranfreuen gar nicht mehr herauskomme (und jedes Mal diesen drei Frauen einen lieben Gedanken schicke). Still und leise, fast unbemerkt, sind sie in diesen Jahren gewachsen und immer größer geworden. Ein Meilenstein aus blühenden Rosen.image

Leben heißt Wachstum und Veränderung, manchmal laut und mit großem Trara, manchmal aber auch still, leise und fast unbemerkt, Schrittchen, für Schrittchen, für Schrittchen. Das gilt nicht nur für Kinder und Rosen. Das gilt für alle, ein ganzes Leben lang. Ich bin keine Kleinkindmama mehr. Das eröffnet in nicht all zu ferner Zukunft neue Möglichkeiten und Perspektiven und es gruselt mich auch ein bißchen. Nicht, dass ich je dachte, ich sei fertig. Aber so deutlich bewusst wird es einem ja nicht immer. Ich bin gespannt, wo ich noch hinwachsen darf, am liebsten in vielen tausend kleinen Schritten. Fürs große Trara bin ich nicht so zu haben. Und jetzt mal ehrlich- 26000!

 

 

 

Es sommert so…

Habe ich wirklich letzte Woche über die Vorzüge des Lernens zu jeder Zeit, an allen Orten geschrieben? Ja war ich denn noch ganz bei Trost?! Wenn du schon mal versucht hast, Kinder zum Lernen für eine Geometriearbeit bei 30 Grad zu bewegen, dann weißt du was ich meine. Bei einer Rechtschreibarbeit funktioniert es auch nicht besser, glaube mir, ich teste es gerade aus. Genauso gut könnte man von mir verlangen, einen Eiswürfel in der Hand von hier nach Frankfurt zu tragen, ohne dass dieser schmilzt. Und wer wollte es Ihnen denn verübeln, den lieben Kleinen. Es sommert doch einfach zu herrlich! Ich habe selbst überhaupt gar keine Lust mehr, zu irgendwelchen hirnakrobatischen Leistungen (und Würfelnetze fallen für mich durchaus in diese Kategorie, keine Frage). Dummerweise ist es wohl schlecht möglich, das Schuljahr bereits zum 31. Mai enden zu lassen und sagen wir mal pünktlich zum 1. September wieder beginnen zu lassen.

Man könnte die Zeit ja sinnvoll mit angewandtem, praktischem Lernen füllen. Eis in allen Sorten zu produzieren beispielsweise. Seit eine Eismaschine in unserem Haus wohnt und endlich auch eine dazu passende, fabelhafte Rezeptsammlung, träumt der Gatte in zitronengelb, himbeerrosa und karamellbraun. Eine ideales Übungsfeld für angehende Nachwuchsgelateristen.image

Man könnte auch endlich einen ordentlichen Versuch darüber starten, wie lange man am Stück im Pool planschen kann, bis man endgültig selber zum Fisch geworden ist.

Oder sich mit Hingabe der Sommerschmuckherstellung widmen. Das fördert die Kreativität und ist ganz ungemein schmückend.imageNicht zu vergessen die ausführliche Besichtigung der heimischen Burgen und Schlösser. Kein Mensch möchte an kalten Wintertagen durch zugige Gemäuer stiefeln, aber gerade jetzt, wo der Wald so grün ist und die Luft schon ein bißchen flirrt, da macht es Spaß und informativ ist es obendrein.

Auf wieviel verschiedene Arten man einen Grill bestücken kann, ist eine Lektion fürs Leben, da bin ich sicher.

2016-05-14 18.48.04

Diskussionsrunden über den Sinn und Unsinn von handgestrickten Sommerpullovern schärfen den Verstand und die Redegewandtheit der ZungeimageUnd das Beisammensein mit lieben Freunden an langen, warmen Sommerabenden, das Brot (und den Wein, ähem, den Rhabarberkuchen und ….) das wir teilen und das selbstvergessene Spiel ist unbezahlbar.

Nö, Ferien vom 1. Juni bis zum 1. September werden sich wohl langfristig nicht durchsetzten. Also machen wir all das trotzdem, bauen Geometrie und Rechtschreibung irgendwie drumherum, lassen manchmal fünfe gerade sein und freuen uns des Lebens. Ach, es sommert nämlich gerade so herrlich!

Lektionen

Letzten Sonntag hatte ich nach längerer Zeit mal wieder die Gelegenheit, eine flammende Autopredigt zu halten. Als Kind habe ich solche Autopredigten gehasst, denn es gab kein Entkommen. Heute finde ich sie manchmal ganz praktisch-denn es gibt kein Entkommen. Die Ursache meines Ausbruchs war leider keine weltbewegende oder auch nur halbwegs originelle, sondern nur das öde Thema Lernen und die irrige Annahme meiner Kinder, dass Wissen, insbesondere Schulwissen, eigentlich vom Himmel fallen müsse. Und eine mittlere Explosion von Frustration am frühen Sonntagmorgen, weil das zähneknirschend angegangene Lernen nicht in der Sekunde den gewünschten Erfolg hatte, sondern erstmal Lücken aufzeigte, die dazu angetan waren, klaftertief hineinzufallen  und Hindernisse, die auf den ersten Blick unüberwindbar schienen. Aus vielerlei Gründen ist das Lernen nun mal ein mühseliges Geschäft und selten die reinste Freude.image

So schön in Stimmung gebracht, konnte ich mir die Autopredigt nicht verkneifen und hielt ein flammendes Plädoyer für und über den Wert des Lernens. Müssen nicht schon allerkleinste Kleinkinder das Gehen erst umständlich erlernen? Und fallen sie nicht andauernd auf den Allerwertesten? Ha! Steht man eben wieder auf und versucht es nochmal! Hat man schon mal von jemandem gehört, der das Sprechen von einem Tag auf den anderen vollständig beherrscht?! Es ist doch wohl ein Privileg ein lebenslang lernen zu dürfen, zu scheitern, zu irren und wieder von Vorne anzufangen! Von Geburt an unfertig, ist der Mensch auf Entwicklung ausgelegt – (Achtung Tremollo in der engagierten Stimme) EIN LEBEN LANG!  Da wird man sich doch nicht von ein paar Ablativformen und mathematischen Unwichtigkeiten schrecken lassen!….am Ziel angekommen flüchteten meine erlösten Kinder aus dem Auto und ich folgte ihnen, noch ganz außer Atem von der Anstrengung.

Es dauerte nicht lange, da meldete sich die gehässige kleine Stimme, die irgendwo in meinem Hinterkopf wohnen muss.        „Was für eine kluge Mutter, du bist!“, säuselte sie erst zuckersüß. “ Sehr weise! Und auch überzeugend! Das Lernen….und so…aber hast du nicht gerade gestern erst den Gatten vollgeheult , wie es denn sein könne, dass du die immer selben sechs- acht Kilo jedes Jahr ab und wieder zunimmst? Dass eine vierzigjährige Frau es doch mittlerweile gelernt haben müsse und dass das alles grässlich frustrierend sei? Sind dir nicht gerade in den letzten Wochen tausend gute Gründe eingefallen, die gegen das Bloggen oder gar richtiges Schreiben sprechen? Und ist es nicht die Angst vorm Scheitern und davor, etwas Neues zu lernen und zu wagen, die dich abhält? Jaja, sehr weise bist du, vor allem, wenn es nicht um dich selber geht!“

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Garstige kleine Stimme, Recht hat sie. Aber ich eben auch. Und so verbot ich ihr auf der Stelle das Weiterzetern (wie gesagt, ich war in Fahrt) und ließ Ruhe ins aufgebrachte Herz ziehen. Ja, es ist ein Privileg zu lernen, es ist keine Schande unfertig zu sein und es gibt Lektionen, die benötigen mehr Zeit, als der lateinische Ablativ oder irgendwelche mathematischen Unwichtigkeiten. Manche von ihnen wollen tatsächlich ein lebenlang eingeübt werden. Gruselig wird es doch erst, wenn einer meint, er sei schon fertig und müsse nichts mehr lernen. Wer will denn Gott spielen? Wir sind Menschen. Und weil das Gnädigsein mit mir selber definitiv eine meiner Lebenslektionen ist, verzeihe ich mir die blöden sechs bis acht Kilo, lerne weiter, gut für mich zu sorgen und nehme halt wieder ab. Vielleicht hält es diesesmal ja länger? Ich schreibe einen Blogbeitrag und entschließe mich ein wenig mutiger zu werden, auch wenn es schiefgehen könnte. Oh und ich halte weiter flammende Plädoyers für das Lernen an allen Orten, in allen Bereichen, zu allen Zeiten. So öde ist das gar nicht…Also wenn du mich irgendwo zetern hörst…..

Außerdem diese Woche gelernt: Fladenbrot backen und Erdbeereis machen, wie man Hüpfkästchen springt und ein kleines Pulloverchen mit Kapuze strickt. Und das ich die Farbe Pink immer noch liebe.